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Monatsarchiv: Oktober 2011

Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Freie Christen für den Christus der Bergpredigt in allen Kulturen weltweit  Max-Braun-Straße 2, 97 828 Marktheidenfeld          www:freie-christen.com

Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Frau Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Konrad-Adenauer-Haus
Klingelhöferstraße 8
10785 Berlin                                                                                                           20.9.20rr

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

der Presse entnahm ich, dass Sie und weitere Präsidiumsmitglieder der CDU
sich vor einigen Tagen mit Vertretern der deutschen Bischofskonferenz trafen.
In der anschließenden Verlautbarung war dann die Rede von einer ,,christlich
geprägten Partei” und der ,,christlichen Prägung unseres Gemeinwesens.”

Wenige Wochen zuvor hatten Sie bereits angekündigt, eine ,,Broschüre zu den
christlichen Werten der Partei” herauszubringen, an der sich die
Vorstandsmitglieder mit Beiträgen beteiligen sollten. Darin solle aufgezeigt
werden, ,,wie das christliche Wertefundament der CDU ihre Politik im Alltag
präge” (kath.web).

Gerade in diesen Wochen hätten Sie und hätte Ihre Partei allerdings gleich
Gelegenheit gehabt, Ihre ,,christliche Prägung” ganz konkret unter Beweis zu
stellen. Doch leider haben Sie diese Gelegenheit nicht genutzt. Und das lässt tief
blicken.

Die Rede ist von der Massentierhaltung, die Ende August fast zeitgleich mit
Ihrer ,,Anregung” an den Parteivorstand wieder einmal heftig in die Schlagzeilen
geriet. ,,Umweltschützer kritisieren Milliardenhilfe für Massentierhaltung”
titelte z.B. Spiegel online (29.8.2011). Mit einer Milliarde Euro pro Jahr fördert
die Europäische Union die Massentierhaltung, davon 80 Millionen allein für den
Bau neuer großer Mastanlagen.

Dann geriet die Firma,,Wiesenhof’als Marktführer dieser auf skandalöse Weise
tierquälerischen und umweltschädigenden Branche ins Fernsehen (ARD,
31.8.2011 : ,,Das  System Wiesenhof “)  mit den entsprechend grauenhaften
Bildern, die wir leider längst kennen: verletzte und bewegungsunfähige Tiere
neben den Kadavern ihrer bereits verendeten Artgenossen; ,,aussortierte”
Putenhähne, die brutal in Plastikbehälter geschleudert werden usw.usf.

,,Die Massentierhaltung schadet dem Klima und der Artenvielfalt, belastet durch
Überdüngung die Gewässer und setzt Tiere unnötigen Leiden aus”, sagte dazu
Hubert Weiger vom BUND. ,,Der hohe Antibiotikaeinsatz stellt ein
Gesundheitsrisiko dar und das aus den Stallanlagen austretende Ammoniak
beeinträchtigt Anwohner und Umwelt. Die Agrarsubventionen verschärfen diese
Probleme noch und fordern zudem Konzentrationsprozesse bei Mast- und
Schlachtbetrieben, womit Arbeitsplätze verloren gehen. “

“Die Bundesregierung stützt das Risikosystem Massentierhaltung”

Etwas Neues ist all das nicht. Aber das ist ja der Skandal. Denn wie Reinhild
Benning, Agrarexpertin des BUND, gegenüber der Süddeutschen Zeitung
(10. 9. 2011)  feststellt: ,,Die Bundesregierung stützt das Risikosystem
Massentierhaltung, indem sie scheinbar gar nicht wissen will, welche
Antibiotika in welcher Menge eingesetzt werden.”

Und die Süddeutsche schreibt weiter: ,,Es geht um Tierquälerei, Missbrauch von
Subventionen, Betrug und Umweltverschmutzung – ein undurchsichtiges
System, das von der Politik gestützt wird.”

“Die Merkel-Regierung hat sich hier den Wünschen der Agrarlobby gebeugt.”

Weiter die Süddeutsche Zeitung: ,,Ilse Aigner (CSU) will aus Deutschland eine weltweit führende Fleischexportnation machen, die mit Billiganbietern wie Brasilien und den USA konkurrieren kann.”

Auf dem Rücken der Tiere und der Umwelt, versteht sich. Die Süddeutsche
berichtet dann über die Niederlande, wo bereits ein Umdenken eingesetzt hat, doch: ,,Solche Bedenken hat man in Deutschland nicht, obwohl bereits jede zweite Grundwassermeldestelle überhöhte Nitratwerte ausweist – eine Folge von Überdüngung und zuviel Gülle auf den Feldern. ,In den vergangenen Jahren wurden die Umweltbestimmungen sogar noch gelockert. Die Merkel-Regierung hat sich hier den Wünschen der Agrarlobby gebeugt’, kritisiert Benning.”

Und Ihr Abgeordnetenkollege Friedrich Ostendorf von den Grünen kommentiert die grauenhaften Wiesenhof-Bilder mit den Worten: ,,Massentierhaltung ist in Deutschland nicht nur legal, sondern wird von der Bundesregierung aktiv gefördert.”
Auch die CDU-geführten Bundesländer, allen voran Niedersachsen, kennen diesbezüglich keine Skrupel. In Wietze entsteht derzeit mit staatlichen Fördermitteln ein Schlachthof, in dem 135 Millionen Hähnchen im Jahr ‘ geschlachtet werden sollen, 27 .000 in der Stunde. Das bedeutet, dass rings um diesen Schlachthof, um ihn auszulasten, weitere 400 Massenställe gebaut  werden müssen. Dr. Hermann Focke,Tierarzt und Geflügelexperte, brachte es in der erwähnten ARD-Reportage auf den Punkt:

,,Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Maß an Tierquälerei gegeben, sowohl qualitativ wie quantitativ, wie in heutiger Zeit.”

Tierquälerei, Umweltbelastung, Gewässerverschmutzung, Monokultur,
Überdüngung, Krankheiten und Depressionen bei Menschen, die dort leben
müssen … All das scheint aber Ihrer Partei herzlich egal zu sein. Das Schweigen
in den Wochen nach diesem Filmbericht spricht jedenfalls Bände.
Irgendwelchen Handlungsbedarf scheint man bei der CDU/CSU nicht zu sehen,
im Gegenteil: Auch nur zaghafte Reformversuche des EU-Agrarkommissars, der
Subventionen an umweltgerechtes Verhalten koppeln und für Großbetriebe eine
Subventions – Obergrenze festlegen will, werden von der schwarzgelben
Regierung in altbewährter Manier abgebügelt.

Und dann nennen Sie sich und Ihre Partei “christlich ” und führen fromme
Reden von “christlicher Prägung”. Ist das nicht ein Hohn auf Jesus
Christus,  der in der Bergpredigt das Mitfühlen und die Barmherzigkeit mit
allem Sein verkündete? Dieses barbarische System mag katholisch oder
lutherisch geprägt sein,  christlich aber sicher nicht.

“Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Maß an Tierquälerei gegeben, sowohl qualitativ wie quantitativ, wie in heutiger Zeit”.  Wer über diesen Satz zur Tagesordnung übergeht, der hat von Christus und von Christentum kaum etwas verstanden. Der ist gegen das Leben, auch wenn er fromme Sprüche im Munde führt.

Mit freundlichen Grüßen
(Dieter Potzel)

 

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