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Desaster für den deutschen Tierschutz

Zur Erinnerung …..

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D: Desaster für den deutschen Tierschutz

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Veröffentlicht am Freitag, 14. Dezember 2012 13:04
Geschrieben von Melitta Töller

Bundestag Jürgen Matern / Wikimedia Commons, CC-BY-3.0

Der Bundestag hat gestern Nacht mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP ein neues Tierschutzgesetz verabschiedet und damit ein klares Zeichen gegen den Tierschutz gesetzt.

Dr. Martina Stephany, Kampagnenleiterin bei VIER PFOTEN, sagt: „Das neue Gesetz ist ein Desaster für den Tierschutz. Zugunsten der Profitinteressen einzelner Gruppen nimmt Schwarz-Gelb millionenfaches Tierleid in Kauf. Das Tierschutzgesetz ist so beschämend für Deutschland, dass es seinen Namen nicht verdient. Es sollte umbenannt werden in Tierqualgesetz“.

Laut dem neuen Gesetz soll ein Verbot einzelner Wildtierarten im Zirkus nur dann erwogen werden, wenn die Tiere unter „erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden“ gehalten oder befördert werden. Dr. Martina Stephany: „Damit toleriert die Regierung stillschweigend, dass viele Wildtiere im Zirkus nicht annähernd artgerecht gehalten werden. Die Formulierung ist im Vergleich zum alten Tierschutzgesetz ein Rückschritt.“ Auch die…

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Das Wort zum Sonntag

7. April 2019

Das Wort zum Sonntag

A n k l a g e :

Ich klage das größte, das schwärzeste und ungeheuerlichste Verbrechen der gesamten Menschheitsgeschichte an.

Ich klage den exzessiven, täglichen, globalen Massenmord an der gesamten Tierwelt an, die Versklavung und Entrechtung der gesamten nichtmenschlichen Kreaturen, die Folterung und Ausbeutung unserer Mitwesen, die Vernichtung und den Genozid ganzer Gattungen und Arten, ich klage den Mord an jährlich mehr als 50 Milliarden Lebewesen für den menschlichen Konsum an.

Ich klage an, dass die Menschheit, die als einzige Spezies die moralische Wahl gehabt hätte, den Naturkreislauf von „Fressen und Gefressenwerden“ zu durchbrechen, diesen Kreislauf in einem weltweiten Todeskarussell beschleunigt und ausgebaut hat.

Ich klage an, dass Ehrfurcht vor jedwedem Leben nicht in das Bewusstsein der Menschen gedrungen ist, dass man dem Tier grundsätzliche Rechte verweigert und das Wohlergehen der Menschengattung den Blick für das Leiden aller übrigen Kreatur verstellt hat. Die Endzeit für Tiere hat begonnen, die Tierwelt steht vor der völligen Versklavung oder Ausrottung. Diese Menschheit, die ihr eigenes Wachstum bis heute nicht ächtet, die Erde mit einer ins grenzenlos wachsenden Menschenschicht überzieht, unter der das Leben aller Geschöpfe des Planeten Erde erstickt, hat jeden ethischen Anspruch verwirkt. Ein absurder Größenwahn verweigert der Tierheit ein Recht auf Entfaltung und Lebensraum und es ist „keine plumpe Anklage, wenn man behauptet, dass die meisten Menschen außerstande sind, sich einer Gewissensprüfung zu unterziehen“ (H. H. Jahnn)

Ich klage die Kirchen an, die monotheistischen Kulte, die mit ihrem Gotteswahn und der daraus seit Jahrtausenden resultierenden Glaubenspest den Menschen zu einem Ebenbild ihres imaginären Gottes stilisiert haben, die in der religiösen Werteskala die Tierwelt weit unter die Menschenwelt gestellt hat, die sich ein ewiges Leben erhoffen und gleichzeitig den Tieren eine Seele absprechen, diese Mysterienreligionen klage ich der ethischen Niederträchtigkeit an.

Ich klage sie ferner der infamste Lüge und Unredlichkeit an, Feldzüge für ungeborenes menschliches Leben zu führen, aber bereits geborenes tierisches und sogar auch menschliches Leben der Vernichtung preiszugeben. Sie haben die Tierwelt zum Produktionsfaktor degradiert und sanktionieren in Blutandachten, den Hubertusmessen, den millionenfachen Mord an Wildtieren.

Kirchen, die Vernunft durch „Glaubenswahrheiten“ ersetzen und die dann aufgrund ihrer Glaubenshalluzinationen die Schächtung von Tieren fordern, um ihren blutrünstigen Gott zufrieden zu stellen, sind moralisch und intellektuell diskreditiert.

Kirchen, die in ihrem Kathechismus die Tierwelt ausklammern und von „nicht-personalen Kreaturen“ reden, haben sich ethisch in die Steinzeit zurückversetzt. Christliche Kirchen, die letztmalig am 4.10.1993 ein gemeinsames Papier „Die Verantwortung des Menschen für das Tier“ vorgelegt haben und seitdem zum Tiermord schweigen, haben selbst die Schöpfung, von deren Bewahrung sie täglich lügen, erbärmlich verraten und im Stich gelassen! Es ist dies keine Schande der Kirchen, nein, es ist das größte Verbrechen in ihrer blutigen Geschichte!

Ich klage Gesetzgeber, Politiker, Parteien samt zugehöriger Verwaltungen und Behörden an, die absurden moralischen Wertvorstellungen des Monotheismus aus Gewohnheit und zur eigenen Machterhaltung in Gesetze und Verordnungen umzusetzen. Sie ergehen sich in sophistische Diskussionen über Ethik und verteidigen doppelzüngig die Entrechtung der Tierwelt. Die gesamte Natur wird der Menschenwelt untergeordnet und die Tierwelt in ihrer Daseinsberechtigung ausschließlich nach dem wirtschaftlichen Nutzen eingeordnet.

Ich klage diese Verantwortlichen an, die Ehrfurcht vor tierischem Leben in den wirtschaftlichen Dreck getreten haben und Lebenswürde nur der Menschheit zubilligen. Alle Rechte auf Dasein und Entfaltung, auf Frieden und Leben in eigenen sozialen Strukturen werden hingegen der tierischen Kreatur versagt oder beschnitten. Ohne Unrechtsbewusstsein wird in Form geistiger Umweltverschmutzung die Lüge vom tierfreundlichen Staat aufrechterhalten und von der Justiz gerechtfertigt. Aber was hat die Justiz nicht alles gerechtfertigt im Lauf der Geschichte?

Gleichzeitig aber steigen die Tierversuchszahlen, Massentierstallungen werden aus dem Boden gestampft und betäubungsloses Schächten aus Gründen der „Religionsfreiheit” toleriert. Mögen doch alle diese kaltblütigen, unbarmherzigen, am Gesamtwohl aller Lebewesen desinteressierten Menschen ein vergleichbares Los erleiden, das sie der Tierwelt erbarmungslos auferlegen!

„Staat nenne ich‘s, wo alle Gifttrinker sind, Gute und Schlimme: Staat, wo alle sich selber verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller – ‚das Leben‘ heißt. Seht sie klettern, diese geschwinden Affen! Sie klettern übereinander hinweg und zerren sich also in den Schlamm und die Tiefe. Hin zum Throne wollen sie alle: ihr Wahnsinn ist es – als ob das Glück auf dem Throne säße! Oft sitzt der Schlamm auf dem Thron – und oft auch der Thron auf dem Schlamme.“

(Friedrich Nietzsche: Die Reden Zarathustras)

Ich klage alle Menschen und Wirtschaftsunternehmen an, die ihren Lebensunterhalt mit Tierausbeutung, Tierqual und Tiermord verdienen. Ich klage insbesondere die Landwirte der Massentierhaltung, die Pelztierzüchter, die Hühnerbarone, die Tiertransportfahrer, die Schlächter in den Fleischfabriken und die Wissenschaftler in den Versuchslaboren an.

Ich klage die Bauern an, die rücksichtslos Kleinlebewesen und Mikroorganismen durch den massiven Einsatz von Pestiziden vernichten und alle Konsumenten, die diese Verbrechen mit ihrer täglichen Kaufentscheidung kritiklos fördern.

Ich klage sie auch an, aus persönlichem Profit über Leben und Wohlergehen von beseelten Wesen größtes Leid zu bringen, sie des einmaligen Lebens sowie der Freiheit als auch aller sozialer Strukturen zu berauben, sie zur Ware zu degradieren und jegliche Achtung und Ehrfurcht vor nichtmenschlichem Leben verloren zu haben.

Ich klage die Konsumenten an, in Unbarmherzigkeit und Erbarmungslosigkeit zu verharren, sich hinter der Maske des Nichtwissens zu verstecken und auf den Gaumenkitzel von Fleischprodukten nicht zu verzichten. Ihre anthropozentrische Denkweise begründet die Blutspur der unschuldigen, unbeweinten Kreatur, ihr Verhalten ist jenseits jeglicher Moral und Ethik, ihr Verhalten hinterlässt künftigen Generationen ein ökologisches Chaos!

Ich klage alle Vernichter von Leben an, die ohne die moralische Rechtfertigung einer Überlebensnotwendigkeit wildlebende Tiere aus Freizeitvergnügen, Spaß, gesellschaftlicher Reputation, kurz gesagt, aus niederen Tötungsinstinkten heraus ermorden, die unter vorgeschobenen ökologischen Interessen mit hochtechnisierter Jagd Regeln des Tierschutzes, der Fairness, des ethischen Anstandes unbeachtet lassen.

Es sind Menschen, die offenbar aus einer Fülle von egoistischen, materiellen und anthropozentrischen Bedürfnisfacetten heraus handeln, Menschen, die sich nicht einmal scheuen, zur Befriedigung ihrer Tötungsgelüste im Ausland artengeschützte Wildtiere zu ermorden.

Ich klage alle Tiervernichter an, jegliche Achtung, Demut und Ehrfurcht vor dem nichtmenschlichen Leben auf dem Altar ihrer Tötungsinstinkte, Wirtschaftsinteressen und niederen Machtgelüste zu opfern.

Ich klage sie der ethischen und moralischen Aufgabe und Vernichtung aller Werte an, welche die Menschheitsgeschichte als große Ideale hervorgebracht hat. Der Fluch der unschuldigen Mordopfer liegt auf diesen geistigen Eckenstehern der Ethik, auf der incorrigiblen Erbarmungslosigkeit und Grausamkeit der menschlichen Spezies!

 

Staatsleistungen an die Kirche: „Falsch verstandene Freundlichkeit gegenüber der Kirchen.“

Staatsleistungen an die Kirche„Falsch verstandene Freundlichkeit gegenüber den Kirchen“

Auch wer nicht Mitglied ist, finanziert die Kirchen: über Staatsleistungen aus Steuermitteln. Der FDP-Politiker Stefan Ruppert will diese Zahlungen beenden – so, wie es das Grundgesetz vorsehe. Beim Thema sexueller Missbrauch müsse der Staat seinen Strafanspruch „unbedingt durchsetzen“.

Stefan Ruppert im Gespräch mit Monika DittrichHören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek

Hessen, Fulda: Kardinal Reinhard Marx, links, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist im Anschluss einer Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz zur Vorstellung der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" von Kameras umringt. (Arne Dedert/dpa)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx inmitten von Journalistinnen und Journalisten. (Arne Dedert/dpa)

Monika Dittrich: Heute beginnt die Vollversammlung der katholischen deutschen Bischöfe. Ein Thema, das dort nicht auf der Tagesordnung steht, aber seit sage und schreibe 100 Jahren ein Thema sein müsste, das sind die sogenannten Staatsleistungen, die die Kirchen bekommen. Im vergangenen Jahr war das eine halbe Milliarde Euro, 538 Millionen, um genau zu sein. Wir sprechen hier nicht über die Kirchensteuer – denn das ist ja ein Mitgliedsbeitrag. Sondern es geht um Geld, das die Kirchen vom Staat bekommen, aus dem allgemeinen Steueraufkommen – etwa als Entschädigung dafür, dass sie im 18. oder 19. Jahrhundert ihre Kirchengebäude abgeben mussten. Diese Praxis sollte schon längst beendet werden – so steht es in Artikel 138 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 und dieser Verfassungsauftrag wurde auch in das Grundgesetz übernommen. Ich habe den religionspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Stefan Ruppert gefragt, wie lange die deutschen Steuerzahler wohl noch die Gehälter der deutschen Bischöfe bezahlen müssen.

Stefan Ruppert: Sie sprechen die Staatsleistungen an, also die Leistungen des Staates an die Kirche aufgrund von Enteignungen im 19. Jahrhundert. Ich wünsche mir, dass die abgelöst werden. Das bedeutet, dass durch eine Zahlung des Staates dieser Anspruch an ein Ende kommt. Ich bin dazu in guten Gespräch, aber ob auch die große Koalition auf einen fairen Interessenausgleich auf Staat und Kirche eingeht, da bin ich mir noch nicht sicher.

Dittrich: Warum ist es so schwierig, die Praxis der Staatsleistungen zu beenden?

„Einmalige Zahlung in beträchtlicher Höhe“

Ruppert: Sie beruhen auf sehr unterschiedlichen Rechtsgrundlagen. Zum einen: die Enteignungen 1803 und 1806, zum anderen sind neue Verträge hinzugekommen. Sie sind historisch gewachsen und belaufen sich auf 540 Millionen im Jahr und sind von der Kirchensteuer, das will ich auch mal deutlich sagen, von der Kirchensteuer zu unterscheiden. Es hat jetzt die Rolle nach der Verfassung, eine Rahmengesetzgebung zu erlassen, also Regeln für die Ablösung und dann könnten die Länder nach diesen Regeln vorgehen.

Zu Ihrer Frage, warum es noch nicht dazugekommen ist: zum einen, weil eine einmalige Zahlung des Staates notwendig ist, die dann auch eine beträchtliche Höhe erreicht. Davor mag der eine oder andere zurückscheuen. Und dann gibt es noch eine aus meiner Sicht falsch verstandene Freundlichkeit gegenüber den Kirchen. Ich bin selbst sehr kirchlich geprägt, bin Protestant und gläubiger Mensch. Aber ich finde es richtig, dass im weltanschaulich neutralen Staat die Kirche für ihre eigene Finanzierung sorgt und nicht ein Steuerzahler, der nicht in der Kirche ist. Deswegen schafft diese Ablösung eine Unabhängigkeit der Kirchen gegenüber dem Staat und macht beide glaubwürdiger.

Dittrich: Diese Freundlichkeit, die Sie gerade genannt, haben, führt die dazu, dass die Parteien sich mit den Kirchen nicht anlegen wollen?

„Ich verstehe, dass die Kirchen diesen Akt der Selbstlosigkeit nicht leisten wollen“

Ruppert: Ich schätze die Kirchen als wichtige Institutionen. Ich glaube aber auch, dass es für eine Kirche am Ende besser ist, wenn sie sagen kann, sie finanziert sich aus eigenen Mitteln und kooperiert mit dem Staat in einer freundlichen Art und Weise. Insofern finde ich es eine falsch verstandene Haltung, man wolle sich mit den Kirchen nicht anlegen, wenn man an das Thema nicht rangeht. Zuletzt muss ja auch gesagt werden: Es ist ein Auftrag unserer Verfassung. Wir sollen also als Anhänger des Grundgesetzes diesen Auftrag umsetzen. Und sich dem zu verweigern finde ich schon etwas merkwürdig.

Dittrich: Die Kirchen in Deutschland sind ohnehin finanziell gut ausgestattet, insbesondere die katholische Kirche. Sie haben die große Summe genannt. Nun könnte man doch erwarten, dass die Kirchen auf diese Summe verzichten, nachdem sie schon 100 Jahre lang zusätzlich Staatsleistungen kassiert haben.

Ruppert: Da verstehe ich die Kirchen, dass sie diesen Akt der Selbstlosigkeit nicht leisten wollen. Es ist ein Rechtsanspruch, den sie haben. Es ist ihnen Unrecht widerfahren und sie haben Verträge geschlossen. Da bin ich Rechtsstaatsanhänger und sage: Es handelt sich um kirchliche Ansprüche und die einfach zu negieren und zu verlangen, dass man darauf verzichtet, finde ich ein bisschen viel verlangt. Auf der anderen Seite muss der Staat eine Entscheidung treffen und ich glaube, dass für die Kirchen die „Preise“ nicht besser werden.  Deswegen setze ich auf konstruktive Gespräch mit den Kirchen. Am Ende werden wir einen Gesetzentwurf , der die Rahmenbedingungen festlegen soll. Ob er eine Mehrheit findet, da habe ich meine berechtigten Zweifel.

„Ich bin dafür, dass die Kirchen die Akten offenlegen“

Dittrich: Nun sehen wir diese Freundlichkeit des Staates auch bei einem anderen Thema, nämlich bei der sexuellen Gewalt in der katholischen Kirche. Es geht um schwere Straftaten, trotzdem kann man den Eindruck gewinnen, dass die Politik sich zurückhält und darauf vertraut, dass die Kirchen das Problem allein in den Griff bekommen.

Ruppert: In Fällen, in denen Straftaten begangen worden sind, muss geguckt werden, ob sie noch nicht verjährt sind. Und wenn sie nicht verjährt sind, muss der Staat seinen Strafanspruch unbedingt durchsetzen. Ich nehme die Diskussion in der Kirche unterschiedlich wahr: Einige drängen sehr darauf, das Problem anzugehen. Andere äußern zwar ihr Entsetzen über das, was passiert ist, aber es fehlt manchmal an konkreten Maßnahmen, so etwa bei Papst Franziskus.

Dittrich: Aber eine konkrete Maßnahme könnte zum Beispiel sein, dass man es so macht wie in Australien, dass es eine staatliche Kommission gibt, die auch beispielsweise die Aktenherausgabe erzwingen kann. Warum gibt es das in Deutschland nicht?

Ruppert: Da, wo es Anhaltspunkte gibt, ermitteln die Staatsanwaltschaften auch. Man kennt häufig nur die Aktenlage nicht. Ich bin durchaus dafür, dass die Kirchen diese Akten offenlegen. Es gibt Persönlichkeitsrechte, die zu wahren sind. Aber ich habe kein Verständnis dafür, wenn man nicht vollumfänglich mit dem Staat kooperiert. Das verlange ich auch von den Kirchen. Es gibt darüber hinaus eine moralische Verpflichtung. Viele dieser Straftaten sind leider verjährt. Aber auch da besteht eine moralische Pflicht der Kirchen, dieses Unrecht aufzuarbeiten, so wie auch staatliches Unrecht immer aufgearbeitet werden muss. Das erwarte ich von den Kirchen.

„Kirchen tragen zum sozialen Frieden bei“

Dittrich: Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Deutschland? Brauche die Parteien die Kirchen?

Ruppert:  Wir haben ein gutes Staats-Kirchen-Recht oder moderner gesprochen: Religionsverfassungsrecht. Es akzeptiert, dass der religiöse Mensch sich in eigenen Angelegenheiten selbst organisiert und selbst bestimmt. Aber es fordert ein, dass dies immer in den Grenzen der Verfassung zu geschehen hat. Das ist moderner als die strikte Laizität etwa in Frankreich, wo der Staat Schwierigkeiten hat mit Religionsgemeinschaften überhaupt ins Gespräch zu kommen. Insofern finde ich unser Religionsverfassungsrecht sehr modern, es ist ein freundliches Verhältnis. Kirchen tragen zum Gelingen des sozialen Friedens vieles bei. Das will ich immer wieder unterstreichen, aber bei einigen Punkten – kirchliches Arbeitsrecht, Ablösung der Staatsleistungen und natürlich auch beim Missbrauchsskandal – liegen Aufgaben vor uns.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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Ohne Kippa, Kreuz und Kopftuch – Das neutrale Klassenzimmer

Ohne Kippa, Kreuz und Kopftuch – Das neutrale Klassenzimmer

Lehrer sollten in staatlichen Schulen keine religiösen Symbole zeigen dürfen, fordert der Pädagoge und Autor Rainer Werner. Er kritisierte Pläne, das Berliner Neutralitätsgesetz aufzuweichen. Es habe sich „bestens bewährt“, sagte er im Dlf. Der Religionsunterricht hingegen sollte gestärkt werden.

Rainer Werner im Gespräch mit Andreas Main Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek

Ein Junge mit dunklem T-Shirt und zerzausten Haaren sitzt im Klassenzimmer und hat den Kopf auf die verschränkten Arme gestützt. (imago stock&people / photothek / Thomas Koehler)

„Schüler müssen besonders geschützt werden“, fordert der Lehrer und Autor Rainer Werner – vor religiöser, weltanschaulicher und politischer Einflussnahme durch Lehrkräfte (imago stock&people / photothek / Thomas Koehler)

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Andreas Main: Zum wiederholten Male musste das Land Berlin Ende vergangenen Jahres einer Muslimin eine Entschädigung zahlen, weil sie wegen ihres Kopftuchs nicht in den Schuldienst übernommen wurde. Das Landesarbeitsgericht sprach der Frau eineinhalb Monatsgehälter zu. Sie sei aufgrund ihrer Religion benachteiligt worden.

Gleichwohl stellte das Gericht das Berliner Neutralitätsgesetz nicht infrage, das Polizisten, Justizmitarbeitern und Lehrern allgemeinbildender Schulen das Tragen religiös geprägter Kleidungsstücke im Dienst untersagt. Dieses Gesetz, es sei verfassungskonform auslegbar. Im konkreten Einzelfall sei allerdings keine Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität durch das Kopftuch erkennbar gewesen, so das Gericht.

Wir wollen nicht in die Berliner Landespolitik einsteigen, aber die hinlänglich bekannten Wünsche der Religionsgemeinschaften konfrontieren mit dem Wunsch eines erfahrenen Lehrers, der sagt: Schule muss neutral bleiben. Der Lehrer heißt Rainer Werner. Er arbeitete 30 Jahre lang als Lehrer für Deutsch und Geschichte an unterschiedlichen Schulen Berlins. Auch nach der Pensionierung hat er freiwillig unterrichtet. Ein Vollblutlehrer, der didaktische Bücher geschrieben hat und sich zu pädagogischen Themen in Tageszeitungen und im Rundfunk äußert. Das Gespräch mit Rainer Werner haben wir in unserem Berliner Funkhaus aufgezeichnet. Danke, Rainer Werner, dass Sie ins Studio gekommen sind, guten Morgen.

Rainer Werner: Guten Morgen.

Main: Herr Werner, um erst mal die Grundlagen zu schaffen: Was ist aus Ihrer Sicht der Kern des Neutralitätsgesetzes und der Stand der Rechtsprechung?

Werner: Das Neutralitätsgesetz hilft uns Lehrern im Grunde zu gewährleisten, dass die Schule und der Unterricht neutral durchgeführt werden. Es hält religiöse Konflikte von der Schule fern und auch vom Unterricht, wo ja die Kinder schutzlos den Lehrkräften ausgeliefert sind. Es gibt das sogenannte Überwältigungsverbot. Lehrkräfte dürfen die Schüler nicht mit ihrer eigenen Weltanschauung oder mit ihrem religiösen Bekundnis im Grund überrumpeln, weil sie in der Regel da keine Gegenwehr parat haben.

Eine Schülerin mit Kopftuch sitzt am 05.02.2015 an der Johann Hinrich Wichern-Schule in Frankfurt am Main (Hessen) bei einer Unterrichtsstunde zum Thema Islam.  (dpa / Frank Rumpenhorst)

„Manchmal tragen schon zehnjährige Kinder ein Kopftuch“, sagt der ehemalige Berliner Lehrer Rainer Werner. (dpa / Frank Rumpenhorst)

Bisher hat das Neutralitätsgesetz das hervorragend geschafft und es wurde auch von Lehrern nie beanstandet oder von Schülern und von Eltern schon gar nicht. Bis dann eben die Diskussion aufkam nach diesen diversen Urteilen, die Sie erwähnt haben, und die vor allem von grüner Seite, also von grünen Politikern losgetreten wurde und die nun das Neutralitätsgesetz entweder verändern oder aufweichen wollen.

„Lehrer müssen ihre Neutralität sichtbar machen“

Main: Was ist der Stand der Rechtsprechung aus Ihrer Sicht?

Werner: Also, wie Sie gesagt haben, wurde das Neutralitätsgesetz von Gerichten nie infrage gestellt. Es wurde nur zu bedenken gegeben, ob es nicht möglich sei, etwas mehr Toleranz walten zu lassen. Das heißt also zum Beispiel eine Lehrerin, die eine Muslima ist und die gerne aus religiöser Überzeugung ein Kopftuch tragen würde, ihr das zu gestatten.

Das Gericht hat sozusagen die Glaubensfreiheit, die auch im Grundgesetz gewährleistet ist durch Artikel 4, höher veranschlagt als das Gebot, vor den Kindern neutral aufzutreten und sich also im Grunde auch Kleidungsstücken zu enthalten, auch sich religiösen Symbolen zu enthalten, die im Grunde zu erkennen geben würden, welcher Glaubensrichtung die Lehrerin angehört.

Das sollen die Schüler im Grunde nicht wissen. Wie auch ein Bahnreisender nicht wissen soll, ob der Schaffner ein Hindu oder ein Buddhist oder ein Moslem ist. Deshalb trägt er auch ja eine Uniform, um die Neutralität auch zu bekunden. Aber da Lehrer keine Uniform tragen, müssen sie sich sozusagen religiöser Symbole oder auch Kleidungsstücke enthalten, um die Neutralität eben für alle, die im Schulleben beteiligt sind, auch für die Eltern, sichtbar zu machen.

„Manchmal tragen schon zehnjährige Kinder ein Kopftuch“

Main: Der Knackpunkt in der ganzen Frage scheint mir ja die Begründung des Gerichts zu sein, wenn es sagt, eine Lehrerin mit Kopftuch gefährdet nicht den Schulfrieden. Würden Sie so weit gehen und aus der Praxis heraus das Gegenteil behaupten, also dass eine Lehrerin mit Kopftuch den Schulfrieden gefährdet?

(Privat)

Rainer Werner (Privat)Werner: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Sondern Unterricht spielt sich auch quasi viel subtiler ab. Ich will es an einem Beispiel erläutern. In der Grundschule – gerade in Berlin, wahrscheinlich auch in anderen Großstädten – sitzen inzwischen viele Mädchen, die dem muslimischen Glauben angehören und die von ihren Eltern gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Manchmal tragen schon zehn-/elfjährige Kinder ein Kopftuch, weil ihnen das verordnet worden ist.

So, wenn nun eine Grundschullehrerin auftreten würde, die selbst ein Kopftuch trägt, dann würde diesen Mädchen signalisiert: Es ist doch alles in Ordnung, auch die Lehrerin trägt ein Kopftuch. Während ich der Meinung bin, eine Lehrerin, die muss zuerst signalisieren, dass Bildung wichtig ist und nicht ein religiöses Bekenntnis. Und gerade für muslimische Mädchen ist der Aufstieg durch Bildung essentiell. Durch Bildung können die alles gewinnen.

Deshalb habe ich muslimische Mädchen auch immer darin unterstützt, auf alle Fälle Abitur zu machen. Wenn sie nämlich dann einen akademischen Beruf ergreifen, dann können sie ein für alle Mal dem patriarchalischen Familienverband entkommen und eigenbestimmt leben, auch einen eigenen Partner suchen usw. Und das würde eine weltanschaulich neutrale Lehrerin eher unterstützen als eine, die ein Kopftuch trägt. Die würde eher den rückwärtsgewandten Gedanken befördern. Und das kann doch nicht im Sinne der Kinder sein.

„Wir stellen uns mal vor, eine Muslima wäre Richterin“

Main: Wir haben jetzt mehrfach den Begriff „neutral“ benutzt. Ich halte jetzt einfach mal dagegen: Kein Mensch ist neutral. Wenn eine Lehrerin mit Kopftuch nicht versucht, die Kinder zu missionieren, dann könnte man doch sagen, sie ist neutral, obwohl sie ein Kopftuch trägt.

Werner: Ich will es mal an einem anderen Beispiel erläutern, was im Grunde noch sinnfälliger ist. Wir stellen uns mal vor, eine Muslima wäre Richterin. Das Neutralitätsgesetz gilt ja auch für andere staatliche Bereiche, nicht nur für Schulen, sondern auch für Gerichte und für die Polizei.

Und wenn diese Richterin nun einen Jugendlichen aburteilen müsste, der aus einer arabischen Familie stammt und der Autos gestohlen hat und das Urteil würde milde ausfallen – in der Meinung der Öffentlichkeit –, dann würde ihr sofort unterstellt werden, sie hätte sozusagen einen Glaubensgenossen aus ihrer Glaubensgemeinschaft bevorzugt, indem sie ihn milde abgestraft hat – was gar nicht stimmen muss. Vielleicht ist es gerichtlich oder juristisch geboten, ein mildes Urteil zu fällen in diesem Fall. Gerade bei Jugendlichen. Die müssen ja eine zweite Chance bekommen.

Übertragen auf die Schule will man das einfach verhindern. Auch die Lehrer können Noten geben und müssen Noten geben. Und mit der Notengebung verteilen sie auch Sozialchancen, Berufschancen für die Zukunft. Und um das im Grunde unanfechtbar zu machen, sollten im Grunde religiöse Bekundungen außen vor bleiben, genauso Symbole und Kleidung.

„Schüler müssen besonders geschützt werden“

Main: Aber können wir den Kindern und Jugendlichen nicht zutrauen, dass sie das trennen können, also, dass sie erkennen, dass das eine die Religiosität einer Frau ist, und das andere ist der Inhalt und der Schulstoff, den sie vermittelt?

Werner: Ich würde sagen, einem Schüler, der in der gymnasialen Oberstufe ist, dem kann man das zutrauen. Aber kleine Kinder, Grundschüler oder auch Schüler der Sekundarstufe I können das eben noch nicht. Und die müssen besonders geschützt werden.

Und ich frage mich: Warum muss denn eine Frau, die Lehrerin werden will und eine Muslima ist, partout einfach das Kopftuch tragen? Sie könnte es doch vorher abnehmen und sagen: Okay, wenn ich aus dem Klassenzimmer rausgehe und auf mein Fahrrad steige und nach Hause fahre, dann trage ich das Kopftuch wieder. Da fällt ihr doch kein Zacken aus der Krone. Sie bleibt doch Muslima.

Ein Kreuz im Klassenzimmer einer Grundschule.  (Picture Alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Der Glaube brauche keine äußeren Symbole, meint der Autor Rainer Werner. (Picture Alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Ich finde, der Glaube ist doch was Inwendiges, egal von welcher Glaubensgemeinschaft. Er hat etwas mit dem Herzen zu tun. Es hängt doch nicht davon ab, ob man nun den Gegenstand trägt, die Halskette trägt oder den Sticker oder meinetwegen das Kleidungsstück.

„Das konservative Lager verteidigt das Neutralitätsgesetz“

Main: Der Pädagoge Rainer Werner im Deutschlandfunk im Gespräch über Neutralität und Religion in Schulen hierzulande. Sie haben eben die Grünen erwähnt, dass die hier in Berlin dazu neigen, das Neutralitätsgesetz aufweichen zu wollen. Es war ja eigentlich immer so, dass die Anhänger des Neutralitätsgesetzes eher dem linken Lager zugehörten. Von daher entsteht da jetzt eine gewisse Verwirrung. Wo sehen Sie die Gegner und wo sehen Sie die Sympathisanten dieses Neutralitätsgesetzes?

Werner: Also, ich würde sagen, das ganze konservative Lager möchte das Neutralitätsgesetz verteidigen. Da hat sich wirklich ein Wechsel, ein Paradigmenwechsel vollzogen.

Main: Aber die SPD ist auch noch in dem Lager?

Werner: Die SPD ist gespalten. Es gibt zum Beispiel die Senatorin für Schulwesen, die Sandra Scheeres, die möchte an dem Gesetz festhalten. Es gibt aber linke Abgeordnete in der Fraktion, die dann eher mit den Grünen stimmen würden, wenn es darauf ankäme, das Gesetz zu kippen, weil sie sagen: Toleranz über alles.

„Sie haben ihre Haare frei flattern lassen“

Main: Rainer Werner, Sie haben mal geschrieben, dass es mit Blick auf türkischstämmige Schüler einst, als Sie Junglehrer waren, dass es da um Rabaukentum ging und um ähnliche Konflikte, die vor allem auch mit der sozialen Stellung der Herkunftsfamilie zu tun hatten. Jetzt seien die meisten Konflikte scheinbar religiös grundiert. Beschreiben Sie das mal aus dem Alltag. Wie erleben Sie diese Veränderung?

Werner: In den 80er Jahren war ich an einer Gesamtschule im Berliner Märkischen Viertel. Und das war damals ein Brennpunktgebiet und der Ausländeranteil war sehr hoch mit 50 bis 60 Prozent. Von diesen Ausländern waren 90 Prozent Muslime. Und da hat – ich kann es heute noch kaum fassen, wenn ich zurückdenke, ich habe auch mit Kollegen darüber gesprochen – kein muslimisches Mädchen hat ein Kopftuch getragen. Sie haben ihre Haare frei flattern lassen und haben sich genauso gekleidet wie die deutschen Mädchen.

Und die Jungs waren eben, ähnlich wie die deutschen Jungs, sportbetont und körperbetont. Rangeleien waren an der Tagesordnung. Wenn es Konflikte gab, dann weil sie einfach die Grenzen überschritten haben. Und wir haben das dann immer auf ihre Herkunft geschoben, und zwar nicht auf die religiöse Herkunft, sondern auf die soziale Herkunft.

Und das hat sich geändert, ich würde sagen, nach dem einschneidenden Datum 11.09.2001, also der Angriff auf die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Da kamen ja anschließend zwei Kriege, nämlich in Afghanistan und im Irak. Und das hat den Islam weltweit in Aufruhr versetzt.

„Dann schicke ich sie lieber in die Türkei zurück“

Main: Das erleben Sie auch quasi auf dem Schulhof?

Werner: Und das haben wir erlebt, dass dann sozusagen auch im politischen Unterricht die Schüler, die muslimischen Schüler plötzlich gegen die USA polemisiert haben, natürlich auch gegen Israel, die ja mit den USA verbündet waren. Aber auch gegen die deutsche Regierung, weil die sich zwar am Irak-Krieg nicht beteiligt hat, aber immerhin am Afghanistan-Krieg.

Main: Israel im Übrigen auch nicht.

Werner: Ja, genau. Das war mehr die politische Bekundung der Schüler. Aber es gab noch eine andere Form der Einflussnahme, nämlich, dass plötzlich Schülerinnen, muslimische Schülerinnen aufgetreten sind und sich geweigert haben, am Schwimmunterricht, am Sportunterricht insgesamt teilzunehmen, dass sie einen Schrieb ihrer Eltern mitgebracht haben, dass sie bei der Klassenfahrt nicht beteiligt sein können oder Schulfeste nicht besuchen dürften, um sozusagen vor sündigen Einflüssen, die dort stattfinden, geschützt zu werden.

Ich habe da sogar einen Vater erlebt, der hat es so begründet, er hat gesagt: Meine Tochter hat einen Körper und der Körper darf anderen Schülern nicht gezeigt werden. Und, wenn sie am Sportunterricht sich beteiligen muss, dann schicke ich sie lieber in die Türkei zurück, um sie dort an eine türkische Schule zu geben. Dort können Mädchen vom Sportunterricht befreit werden. Und das hat der Vater gemacht. Und er hat dem Mädchen die Chance, in Deutschland ein Abitur zu machen, geraubt.

„Warum sollen wir das Rad der Geschichte zurückdrehen?“

Main: Aber sind das nicht am Ende – trotz dieses individuell für das Mädchen wahrscheinlich dramatischen Schicksals – sind das nicht am Ende des Tages alles Bagatellen, die wir hinnehmen müssen, weil es ja auch ein hohes Gut ist, in einer pluralen Gesellschaft abweichendes Verhalten zu ertragen und auszuhalten?

Werner: Ich bin durchaus dieser Meinung, dass man gerade auch im schulischen Bereich, wo ja Toleranz auch ein Bildungsziel ist, dass man tolerant sein muss. Aber wenn man all diese Vorfälle zusammenfasst, dann kommt man nicht umhin, um doch eine politische Agenda zu vermuten, dass zum Beispiel auch die Islamverbände da im Grunde Eltern und Schüler instrumentalisieren, um die Schule in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Das hat man jetzt jüngst gemerkt: Beim letzten Ramadan ist in Deutschland eine Diskussion entstanden, weil Islamverbände gefordert haben, zum Beispiel Klassenarbeiten während des Ramadans zu unterlassen, weil die Kinder unterzuckert seien und sie könnten dann nicht die volle Leistung bringen, was sie dann benachteiligt.

Und als Höhepunkt ist hier ein Fall aufgetreten, dass ein Vater zu einem Direktor einer Sekundarschule gekommen ist und ihn aufgefordert hat, aus der Klasse, wo seine beiden Söhne sitzen, die Lehrerinnen abzuziehen, weil die Lehrerinnen sozusagen bei den Söhnen weniger Respekt genießen als eben männliche Lehrer. Und das würde bedeuten, dass der Schüler dann weniger lernt.

Und das muss man sich einfach mal vorstellen. In Deutschland wurde der Lehrerberuf vor 150 Jahren für Frauen geöffnet. Warum sollen wir das Rad der Geschichte zurückdrehen um diese lange Zeit und wieder bei null anfangen?

Auch Kreuz und Kippa „widersprechen dem Neutralitätsgesetz“

Main: Der Pädagoge Rainer Werner im Deutschlandfunk im Gespräch über die neutrale staatliche Schule. Herr Werner, in der Praxis, im Schulalltag, von dem Sie gerade berichtet haben: Wie oft sind Ihnen Kolleginnen und Kollegen begegnet mit deutlich sichtbaren Kreuzen?

Werner: Ich würde sagen eher wenige. Ein paar gibt es. Allerdings sind die Kreuze dann nicht sehr groß. Sie sind nicht sehr demonstrativ. Aber es kommt durchaus vor, dass Frauen, Männer weniger, aber Frauen Kreuze tragen, um zu signalisieren, dass sie Christinnen sind.

Main: Widerspricht das dem Neutralitätsgesetz?

Werner: Ich würde sagen: Gleiches Recht für alle. Es widerspricht dem Neutralitätsgesetz. Genauso wie die Kippa eines jüdischen Lehrers, wenn er denn an einer staatlichen Schule auftreten würde. Oder …

Main: Die hätte er dann auch abzusetzen?

Werner: Die hätte er dann auch abzusetzen. Sonst könnten wir den muslimischen Frauen das Kopftuchverbot nicht schmackhaft machen, wenn gleichzeitig Christen oder andere Religionsgemeinschaften ihre Kleidungsstücke dann tragen dürften.

Religions- statt Ethikunterricht

Main: Es gibt den Sonderfall, dass es einen konfessionellen Religionsunterricht in staatlichen Schulen gibt. Wenn jetzt eine Ordensfrau oder ein Benediktinermönch als Beispiel zum Religionsunterricht geht, durch das Gebäude, die staatliche Schule, darf er dann ein Ordensgewand oder sie ein Ordensgewand tragen?

Werner: Aber selbstverständlich. Wenn der Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach ist, was sogar im Grundgesetz garantiert ist in Artikel 7, dann darf er natürlich in jedem Habit, in jedem Aufzug kann er dann in die Schule kommen, den Unterrichtsraum aufsuchen, wo der Religionsunterricht stattfindet und dann eben diesen Religionsunterricht nach seinen Regeln, nach den Regeln seiner Religionsgemeinschaft durchführen, weil der Staat ihm nicht hineinreden kann.

Der Religionslehrer Ridwan Bauknecht steht am 27.8.2012 in Bonn an der Robert-Koch-Schule im Islamunterricht vor der Klasse. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Alle Religionsgemeinschaften sollten an staatlichen Schulen unterrichten, fordert der Lehrer Rainer Werner – wie hier beim Islamunterricht an einer Grundschule in Bonn (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Main: Das würde dann eben auch bedeuten, in einem islamischen Religionsunterricht würden Sie eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch akzeptieren?

Werner: Ja, auf alle Fälle. Deshalb bin ich ja ein großer Vertreter des Religionsunterrichts. Ich habe es auch schlecht gefunden, dass der Ethik-Unterricht eingeführt wurde, weil das im Grunde die Dimension der Religion, nämlich die transzendente oder metaphysische Dimension der Religion verkürzt auf ein freundliches Miteinander. Das ist der Grundmodus des Ethik-Unterrichts. Und das ist für meine Begriffe zu wenig für Kinder, die nach einem Sinn, nach einem Lebenssinn fragen.

Deshalb möchte ich gerne, dass der Religionsunterricht wiederbelebt wird, und zwar von möglichst allen Religionsgemeinschaften, die es in einer Großstadt gibt. Die sollen quasi ein Angebot unterbreiten und dann können die Schüler aussuchen, welchen Religionsunterricht sie aufsuchen. Und dann werden sie dort mit den Grundtatsachen, den Glaubensvorstellungen dieser Religionsgemeinschaften vertraut gemacht.

„Das verkürzt die Religion“

Main: Also, ein eindeutiges Plädoyer für den konfessionellen Religionsunterricht. Es hat in jüngster Zeit immer wieder mal Forderungen gegeben, den konfessionellen Religionsunterricht möglichst ganz abzuschaffen. Der Integrationsexperte Ahmad Mansour zum Beispiel hat das jüngst in dieser Sendung getan. Aber auch die bayrische FDP und sicher auch andere, die dafür plädieren, stattdessen einen Religionskundeunterricht für alle Schüler einzuführen. Was haben Sie gegen diese Idee, die doch auch vielen erst mal plausibel erscheinen dürfte?

Werner: Aber das macht doch im Grunde der Ethikunterricht. Der Ethikunterricht hat außer philosophischen Tatbeständen alle Weltreligionen sozusagen im Blick, aber eben verkürzt um den Glauben, weil natürlich ein Sozialkundelehrer, der dann das Christentum erklären muss, der erklärt es nicht so wie ein Religionslehrer, der selbst Christ ist, sondern er erklärt es so, wie man sozusagen das Grundgesetz erklärt oder eine chemische Formel, nämlich als Wissenstatbestand. Das verkürzt die Religion.

Aber die Religion hat immer eine Dimension der Transzendenz. Und das ist für Schüler, für Heranwachsende wichtig. Die wollen doch wissen: Woher komme ich und wohin gehe ich? Was geschieht nach dem Tod mit mir? Und da kann nur eine Religion eine bündige Antwort geben. Und deshalb halte ich den Religionsunterricht gerade auch unter philosophischen Gesichtspunkten für sehr viel wertvoller als einen Religionskundeunterricht, wo nur Wissen vermittelt wird oder als den Ethikunterricht, wo das sozusagen herunterbuchstabiert wird auf die unmittelbare Lebenswelt.

„Im Unterricht haben religiöse Bekundungen nichts verloren“

Main: Ich fasse das mal für mich so zusammen: Sie sind Vollblutlehrer. Sie sind ein großer Anhänger der staatlichen säkularen Schule, was nicht ausschließt, dass es kirchliche oder islamische oder jüdische Schulen gibt. Und vor diesem Hintergrund ist Ihnen Religion so wichtig, dass Sie sagen: Das darf nicht alles vermischt und verwaschen werden. Ist das ungefähr richtig versucht zusammenzufassen?

Werner: Ja. Und deshalb ist eine klare Trennung wichtig. Im reinen Fachunterricht, ob das nun Spanisch ist oder Chemie oder Physik oder Musik, dort haben religiöse Bekundungen, genauso weltanschauliche Bekundungen nichts verloren. Die gehören nur in den konfessionellen Unterricht, nämlich in den Religionsunterricht. Dort haben sie ihren Platz. Und das muss quasi ein junger Mann oder eine junge Frau, die Lehrer oder Lehrerin werden wollen, wissen.

Also, wenn ich zum Beispiel – ich versetze mich jetzt mal in den Kopf einer Frau, die Muslima ist, wenn sie nun partout Lehrerin werden will, dann muss sie überlegen: Kann ich das werden, ohne, dass ich dann mit meinem Kopftuch in den Unterricht gehen will, um das zu bekunden? Wenn ich das Kopftuch unbedingt brauche für meine Identität oder für meine religiöse Glaubensüberzeugung, dann muss ich entweder in eine Privatschule gehen, die von Muslimen betreut wird …

Main: Oder auch in eine katholische Schule, die hat da auch kein Problem mit.

Werner: Zum Beispiel, ja. Oder eben ich muss in den muslimischen Religionsunterricht, der ja in manchen Bundesländern auch schon angeboten wird. Dort ist dann der richtige Platz, aber nicht im weltlichen Unterricht.

„Warum nicht auch die Weltanschauung?“

Main: Abschließend kehren wir noch mal zum Ausgangspunkt zurück, zum Neutralitätsgebot. Würde das übermorgen in Berlin komplett abgeschafft, wie es eben Teile der Regierungskoalition wollen, was würde dann im Schulalltag konkret passieren?

Werner: Auf Anhieb würde sich wahrscheinlich wenig ändern. Es würde aber ein schleichender Prozess einsetzen, dass dann glaubensfeste Menschen unterschiedlicher Religionen – da zähle ich jetzt auch die Christen dazu –, dass die im Grunde die Gunst der Stunde nutzen würden, um, wenn sie Lehrer geworden sind, durch Symbole, durch auch Äußerungen, die sie tätigen, und durch Kleidungsstücke, die sie tragen, quasi ihrer religiösen Identität Ausdruck zu verleihen.

Main: Vielleicht sogar auch politische Überzeugung.

Werner: Das ist der entscheidende Punkt. Wenn zum Beispiel die religiöse Bekundung erlaubt wäre, dann könnte sofort ein Weltanschauungsverband oder eine politische Partei kommen und sagen: Warum nicht auch die Weltanschauung? Dann kommt Greenpeace und sagt: Ja, Lehrer müssen unseren Sticker tragen dürfen. Und so weiter.

Das heißt, dann wäre die Büchse der Pandora geöffnet auch für weltanschauliche Symbole und für Sticker von politischen Parteien. Und was wäre dann, wenn die AfD dann auf den Plan tritt, ihre Anhänger auffordert, Lehrer zu werden, weil dann eine gute Beeinflussungsmöglichkeit gegeben ist, im normalen Fachunterricht immer zu signalisieren: Schaut, ich bin in der richtigen Partei.

„Dann hätten wir einen Kulturkampf“

Main: Und das würde dann wiederum jene auf den Plan rufen, die, wenn die Büchse der Pandora geöffnet ist – wie Sie es formuliert haben – die versuchen würden, Religionsgemeinschaften eher noch stärker aus der Öffentlichkeit herausdrängen zu wollen.

Werner: Ja. Dann hätten wir im Grunde einen Kulturkampf, wie wir ihn im 19. Jahrhundert hatten unter Bismarck, der ja der deutschen Gesellschaft nicht gutgetan hat. Und deshalb plädiere ich dafür, ein Gesetz wie das Neutralitätsgesetz, das 2005 – also, das Berliner Gesetz wurde 2005 erlassen, ist jetzt 14 Jahre alt und es hat sich bestens bewährt. Und warum soll ein Gesetz, das im Grunde bisher den Frieden in der Schule gewährleistet hat, partout aufgeweicht oder verändert werden?

Main: Würden Sie womöglich sogar so weit gehen, das auch anderen Bundesländern, die es nicht haben, zu empfehlen?

Werner: Ja, unbedingt.

Main: Rainer Werner, ehemaliger Lehrer und Autor diverser pädagogischer Fachbücher zur Debatte rund um Neutralitätsgesetze, ganz herzlichen Dank.

Werner: Keine Ursache.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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Ohne ein Leben …



„Ohne ein Leben nach dem Sterben
bleibt dieses Leben
ein phantastisches Chaos,
die Erde ein unbegreifliches Massengrab
und unser Geborensein ein Verbrechen,
auf das die Todesstrafe gesetzt ist.
Verstanden werden kann das Leben
nur im Lichte der Ewigkeit.“

Carl-Ludwig Schleich,
Arzt und Schriftsteller, 1859-1922

 

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Der Freie Geist


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In allen Religionen und Kulturen gibt es aufrichtige Gottsucher, die sich nicht mehr mit den Dogmen, Riten und Schablonen traditioneller Religiosität zufrieden geben. Denn wohin hat dies die Menschheit geführt? Und wohin haben uns 1700 Jahre Bibelstudium gebracht? Ständig neue Interpretationen und Kirchen und eine Zivilisation, die schon in den Abgrund gefallen ist. Zu allen Zeiten gab es jedoch auch Propheten und weise Männer und Frauen, welche die Allgegenwart Gottes in allen Lebensformen als Quelle eines glücklichen Lebens erfuhren und um die Wirksamkeit des Gesetzes von Saat und Ernte und die Möglichkeit der Reinkarnation wussten. Dies hat auch Jesus von Nazareth gelehrt – nicht das einzige, was die institutionellen Kirchen uns verschweigen.
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Gottes ist die Gerechtigkeit des EWIGEN.

Nichts geht verloren – alles ist

verzeichnet. Jedes Staubkorn, jedes Atom,

jede Regung und jede Neigung, jeder

Windhauch und jeder Sonnenstrahl,

jeder Strahl des Mondes und jeder Strahl

der Gestirne, jede Spermie und jede

Eizelle, jedes Zelle des Menschlichen

Körpers ist registriert.

Gabriele

Prophetin und Botschafterin Gottes


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Lasset uns totbeten!

Heike Heinze, Berlin

Im tristen, farblosen Monat November ist es soweit: Hubertusmessen und -jagden finden statt. Jäger holen sich den Schutz eines Pfarrers. Dieser bemüht den Heiligen Hubertus, schiebt diesem Schutzpatron der Jäger feige die Verantwortung zu, bemüht, dem Fegefeuer zu entkommen und seine Hände in Unschuld zu waschen. Nach den Gebeten heißt es schließlich: „Feuer frei aus allen Rohren!“ Wie kann etwas so fromm beginnen und sich zu einem Drama zuspitzen, dessen Ende, die Hinrichtung der Wildtiere, Gottes Schöpfung, einen naturliebenden Menschen bis ins Mark erschüttern? Ist es nicht ein Widerspruch, einerseits Liebe zu predigen, auf der anderen Seite Waffen und deren Träger zu segnen? Aber so und nicht anders hat die Kirche die Geschichte überlebt. Wie beim Jüngsten Gericht über die Gräueltaten an unseren Tieren entschieden wird, wissen wir nicht, denn kein Pfarrer oder Jäger, die sich an blutrünstigen Spektakeln beteiligten und das Zeitliche segneten, sind je zurückgekehrt. Vermutlich hatte Gott als Schöpfer der Welt und der Natur kein Auge zugedrückt und seine vermeintlichen Vertreter und deren Nutznießer angesichts der Vernichtung seiner Kreaturen – in jedem Jahr sage und schreibe 5 500 000 Wildtiere – mit einem Tritt in die Hölle befördert. Wird doch sein Ansehen in der Öffentlichkeit voranschreitend ruiniert.

Die Jägerlobby ist eine der politisch und wirtschaftlich mächtigsten Minderheiten in Deutschland, deren skandalöse Gesetzesprivilegien teilweise aus dem Mittelalter stammen und für einen modernen Rechtsstaat untragbar sind. Aber Staat und Kirche arbeiten Hand in Hand. Einem Siamesischen Zwilling gleichend sind sie unter Führung einer christlich – liberalen Regierung untrennbar miteinander verbunden. Kameraderie, Opportunismus und Traditionsbewusstsein der Einflussreichsten lassen keine Veränderung zu.

Wie die Lichtgestalt des Kreuzes Hubertus einst den Weg gezeigt habe, solle man diesen rechten Weg unter und mit dem Kreuz Jesu auch heute gehen. Aber kann es rechtens sein, Baujagden zu veranstalten, bei denen Fuchswelpen ausgegraben, erschlagen, vom Bauhund abgewürgt oder anderweitig getötet werden? Ist der rechte Weg, bei Treib – und Drückjagden reihenweise auf Wild zu schießen, das mit zerfetzten Gliedmaßen in seiner Todesangst zu fliehen versucht? Aber ich vergaß, in der katholischen Kirche haben ja Tiere keinen Platz und schon gar keine Seele. Eine Fuchsfähe dürfte somit emotionslos zusehen, wenn ihr Nachwuchs von einer nach Gottes Ebenbild geschaffenen Spezies gemeuchelt wird, der laut Kirche eine Seele zusteht.

Was für ein Hochmut einer solchen Kirche! Emotionen wie Angst und Panik sowie das Empfinden von Schmerzen sind bei Mensch und Tier identisch. Das komplizierte Paarungsverhalten der Tiere, das Zusammenleben in Gruppen und Familien, die Fähigkeit vorzusorgen und die Verständigungsmöglichkeiten untereinander ähneln den unseren. Die Unterschiede zwischen uns und ihnen sind keineswegs prinzipieller Natur. In vielem sind Tiere dem Menschen sogar weit überlegen. Der Seh-, Hör- und Tastsinn ist bei den meisten Säugetieren höher entwickelt als bei uns. Ich bewundere das geniale tierische Navigationssystem und die Feinheiten der Brutpflege.

Während im späten Mittelalter viele Handwerkszünfte am Namenstag des Heiligen Hubertus zu dessen Ehren Messen abhielten, ist dieser Brauch allmählich gänzlich verschwunden. Nur Jäger sind dieser Tradition treu geblieben. Ein Missverständnis? Denn es war ein Hirsch, zwischen dessen Geweihstangen das Kreuz Christ erschien und sich dem Heiligen Hubertus, der bis zum legendären Zeitpunkt ein Jäger war, zuwandte, ihn eindringlich zur Rückkehr bat und dieser die Waffen für immer niederlegte. Offensichtlich lesen Jäger die überlieferte Geschichte, eine Sage, nicht zu Ende, huldigen sie doch alljährlich den ersten berühmten Jagdgegner. Zu groß ist ihr Bedürfnis, in Wald und Flur zu richten, zu entscheiden, was willkommen ist, leben darf oder nicht. Das Ammenmärchen auf die Fahne schreibend, ein Gleichgewicht in der Natur schaffen und halten zu wollen, ziehen sie legal bewaffnet in den Kampf. Führen einen einseitigen Krieg gegen Wehrlose, die keine Stimme haben. Tatsächlich allerdings hat es dieses besagte Gleichgewicht niemals gegeben und wird es auch nicht. Kein Tier, sondern ausschließlich der Mensch zerstört im großen Stil den Lebensraum, in dem die Schöpfung noch existiert – er beseitigt die Regenwälder, die Lunge der Erde. Er verpestet die Luft, vergiftet die Flüsse, beraubt die Meere. Und er tötet aus purer Lust.

In einer Fürbitte beim Hubertus – Gottesdienst heißt es: „Wir bitten für Jägerinnen und Jäger…Lass sie in allem, was sie tun, das Tier als lebendiges Geschöpf erkennen.“ Widersprüchlicher kann es wohl nicht sein. Es grenzt an Sarkasmus, „Lasset uns totbeten!“ wäre treffender. Man säuselt, dass die Jagd einen positiven Beitrag zum Schutz und zur Bewahrung der Schöpfung leiste. Dieser Aspekt würde bei der Gestaltung der Hubertusmessen im Vordergrund stehen. Angesichts dieser Scheinheiligkeit möchte man sich übergeben, wird doch bei diesen Messen und beim Beweihräuchern dieses Brauchtums aus Sympathie mit der lodengrünen Zunft nur ein nichtmenschliches Geschöpf überhaupt geduldet: der Jagdhund.

Jagd, die stets mit den Qualen und Leid der Tiere verbunden ist, kann weder Schutz noch Bewahrung der Schöpfung und nie Naturschutz sein. Niemals. Der Mensch, nur ein Teil der Natur, ist Leben inmitten von Leben, das auch leben will. Der Schutz der Natur ist Verständnis für all ihre Vielfalt, Respekt vor der Einzigartigkeit ihrer Werke, ihrer grandiosen Kunst. Bei der Jagd erkenne ich nichts Dergleichen, sondern ausschließlich Befriedigung einer abnormen Neigung und kaltblütigen Mord.

Dass man so in den Himmel kommt, wage ich zu bezweifeln.

 
 
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