Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel
Freie Christen für den Christus der Bergpredigt in allen Kulturen weltweit Max-Braun-Straße 2, 97 828 Marktheidenfeld www:freie-christen.com
Offener Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel
Frau Bundeskanzlerin
Angela Merkel
Konrad-Adenauer-Haus
Klingelhöferstraße 8
10785 Berlin 20.9.20rr
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
der Presse entnahm ich, dass Sie und weitere Präsidiumsmitglieder der CDU
sich vor einigen Tagen mit Vertretern der deutschen Bischofskonferenz trafen.
In der anschließenden Verlautbarung war dann die Rede von einer ,,christlich
geprägten Partei“ und der ,,christlichen Prägung unseres Gemeinwesens.“
Wenige Wochen zuvor hatten Sie bereits angekündigt, eine ,,Broschüre zu den
christlichen Werten der Partei“ herauszubringen, an der sich die
Vorstandsmitglieder mit Beiträgen beteiligen sollten. Darin solle aufgezeigt
werden, ,,wie das christliche Wertefundament der CDU ihre Politik im Alltag
präge“ (kath.web).
Gerade in diesen Wochen hätten Sie und hätte Ihre Partei allerdings gleich
Gelegenheit gehabt, Ihre ,,christliche Prägung“ ganz konkret unter Beweis zu
stellen. Doch leider haben Sie diese Gelegenheit nicht genutzt. Und das lässt tief
blicken.
Die Rede ist von der Massentierhaltung, die Ende August fast zeitgleich mit
Ihrer ,,Anregung“ an den Parteivorstand wieder einmal heftig in die Schlagzeilen
geriet. ,,Umweltschützer kritisieren Milliardenhilfe für Massentierhaltung“
titelte z.B. Spiegel online (29.8.2011). Mit einer Milliarde Euro pro Jahr fördert
die Europäische Union die Massentierhaltung, davon 80 Millionen allein für den
Bau neuer großer Mastanlagen.
Dann geriet die Firma,,Wiesenhof’als Marktführer dieser auf skandalöse Weise
tierquälerischen und umweltschädigenden Branche ins Fernsehen (ARD,
31.8.2011 : ,,Das System Wiesenhof „) mit den entsprechend grauenhaften
Bildern, die wir leider längst kennen: verletzte und bewegungsunfähige Tiere
neben den Kadavern ihrer bereits verendeten Artgenossen; ,,aussortierte“
Putenhähne, die brutal in Plastikbehälter geschleudert werden usw.usf.
,,Die Massentierhaltung schadet dem Klima und der Artenvielfalt, belastet durch
Überdüngung die Gewässer und setzt Tiere unnötigen Leiden aus“, sagte dazu
Hubert Weiger vom BUND. ,,Der hohe Antibiotikaeinsatz stellt ein
Gesundheitsrisiko dar und das aus den Stallanlagen austretende Ammoniak
beeinträchtigt Anwohner und Umwelt. Die Agrarsubventionen verschärfen diese
Probleme noch und fordern zudem Konzentrationsprozesse bei Mast- und
Schlachtbetrieben, womit Arbeitsplätze verloren gehen. „
„Die Bundesregierung stützt das Risikosystem Massentierhaltung“
Etwas Neues ist all das nicht. Aber das ist ja der Skandal. Denn wie Reinhild
Benning, Agrarexpertin des BUND, gegenüber der Süddeutschen Zeitung
(10. 9. 2011) feststellt: ,,Die Bundesregierung stützt das Risikosystem
Massentierhaltung, indem sie scheinbar gar nicht wissen will, welche
Antibiotika in welcher Menge eingesetzt werden.“
Und die Süddeutsche schreibt weiter: ,,Es geht um Tierquälerei, Missbrauch von
Subventionen, Betrug und Umweltverschmutzung – ein undurchsichtiges
System, das von der Politik gestützt wird.“
„Die Merkel-Regierung hat sich hier den Wünschen der Agrarlobby gebeugt.“
Weiter die Süddeutsche Zeitung: ,,Ilse Aigner (CSU) will aus Deutschland eine weltweit führende Fleischexportnation machen, die mit Billiganbietern wie Brasilien und den USA konkurrieren kann.“
Auf dem Rücken der Tiere und der Umwelt, versteht sich. Die Süddeutsche
berichtet dann über die Niederlande, wo bereits ein Umdenken eingesetzt hat, doch: ,,Solche Bedenken hat man in Deutschland nicht, obwohl bereits jede zweite Grundwassermeldestelle überhöhte Nitratwerte ausweist – eine Folge von Überdüngung und zuviel Gülle auf den Feldern. ,In den vergangenen Jahren wurden die Umweltbestimmungen sogar noch gelockert. Die Merkel-Regierung hat sich hier den Wünschen der Agrarlobby gebeugt’, kritisiert Benning.“
Und Ihr Abgeordnetenkollege Friedrich Ostendorf von den Grünen kommentiert die grauenhaften Wiesenhof-Bilder mit den Worten: ,,Massentierhaltung ist in Deutschland nicht nur legal, sondern wird von der Bundesregierung aktiv gefördert.“
Auch die CDU-geführten Bundesländer, allen voran Niedersachsen, kennen diesbezüglich keine Skrupel. In Wietze entsteht derzeit mit staatlichen Fördermitteln ein Schlachthof, in dem 135 Millionen Hähnchen im Jahr ‘ geschlachtet werden sollen, 27 .000 in der Stunde. Das bedeutet, dass rings um diesen Schlachthof, um ihn auszulasten, weitere 400 Massenställe gebaut werden müssen. Dr. Hermann Focke,Tierarzt und Geflügelexperte, brachte es in der erwähnten ARD-Reportage auf den Punkt:
,,Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Maß an Tierquälerei gegeben, sowohl qualitativ wie quantitativ, wie in heutiger Zeit.“
Tierquälerei, Umweltbelastung, Gewässerverschmutzung, Monokultur,
Überdüngung, Krankheiten und Depressionen bei Menschen, die dort leben
müssen … All das scheint aber Ihrer Partei herzlich egal zu sein. Das Schweigen
in den Wochen nach diesem Filmbericht spricht jedenfalls Bände.
Irgendwelchen Handlungsbedarf scheint man bei der CDU/CSU nicht zu sehen,
im Gegenteil: Auch nur zaghafte Reformversuche des EU-Agrarkommissars, der
Subventionen an umweltgerechtes Verhalten koppeln und für Großbetriebe eine
Subventions – Obergrenze festlegen will, werden von der schwarzgelben
Regierung in altbewährter Manier abgebügelt.
Und dann nennen Sie sich und Ihre Partei „christlich “ und führen fromme
Reden von „christlicher Prägung“. Ist das nicht ein Hohn auf Jesus
Christus, der in der Bergpredigt das Mitfühlen und die Barmherzigkeit mit
allem Sein verkündete? Dieses barbarische System mag katholisch oder
lutherisch geprägt sein, christlich aber sicher nicht.
„Seit Bestehen der Menschheit hat es kein solches Maß an Tierquälerei gegeben, sowohl qualitativ wie quantitativ, wie in heutiger Zeit“. Wer über diesen Satz zur Tagesordnung übergeht, der hat von Christus und von Christentum kaum etwas verstanden. Der ist gegen das Leben, auch wenn er fromme Sprüche im Munde führt.
Mit freundlichen Grüßen
(Dieter Potzel)
Angeklagt: Der Papst
Vorwort von Geoffrey Robertson
Ich bin, wie stets, meinem Freund Mark Stephens zu Dank verpflichtet für seine Unterstützung, und Jen Robinson für herausragende Recherchen und Kenntnisse. Für zusätzliches Material danke ich Matthew Albert, Lionel Nichols, Stephen Powles und Angela Giannotti und meiner Assistentin Judy Rollinson. Dankbar bin ich auch Tina Brown für ihre Ermutigung und Caroline Michel, meiner Agentin, die mich zu diesem Buch inspirierte, während Stefan McGrath und Will Goodlad bei Penguin seine Veröffentlichung in Rekordzeit zu arrangieren wussten und mit der Beibehaltung der nummerierten Absätze einverstanden waren, in denen ich als Anwalt denke und schreibe. Die Veröffentlichung als „Penguin Special“ – dem ersten seit 1989 – im Jahr des 75. Geburtstags von Penguin ist eine besondere Ehre. Und schließlich danke ich meiner Frau Kathy Lette, einer ehemaligen Katholikin.
Doughty Street Chambers
9. August 2010
Anbei Film-Interview:
http://www.angeklagt-der-papst.de/interviews/filminterview-vom-1682011/index.html
Interview mit Geoffrey Robertson:
http://www.angeklagt-der-papst.de/interviews/interview-vom-482011-mit-download/index.html
„Angeklagt: Der Papst“ (The Case of the Pope) von Geoffrey Robertson
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Deutsche Erstausgabe: „Angeklagt: Der Papst“ (The Case of the Pope) von Geoffrey Robertson |
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| Politik, Recht & Gesellschaft | ||||||||||
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Pünktlich zum Papstbesuch in Deutschland erscheint am 15. September 2011 das brisante Buch des prominenten britischen Kronanwalts und international tätigen Anwalts für Menschenrechte, Geoffrey Robertson, „The Case of the Pope“, in deutscher Sprache, mit dem Titel „Angeklagt: Der Papst. Die Verantwortlichkeit des Vatikans für Menschenrechtsverletzungen“. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden, konservativ geschätzt, mehr als 100.000 Kinder, hauptsächlich Jungen, von katholischen Priestern vergewaltigt oder sexuell misshandelt – ohne dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen wurden. Für den Autor – er wurde 2008 in den Internal Justice Council der Vereinten Nationen gewählt – ein Skandal: „Ich war empört darüber, dass das nicht als grausames Menschenrechtsverbrechen behandelt und der Vatikan nicht verurteilt wurde wegen der Strategien, mit denen diese Verbrechen aktiv vertuscht wurden. Ich hege keine Feindseligkeiten gegen die katholische Kirche oder eine bestimmte säkulare Richtung – viele meiner Freunde sind Katholiken. Aber die Täter kamen ungestraft davon mit dem „Seelenmord“, der für viele Menschen die Folge davon ist, dass sie in jungen Jahren von Priestern vergewaltigt wurden. Deshalb habe ich das Buch geschrieben.“ In „Angeklagt: Der Papst“ geht Robertson der Frage nach, wie die Sexualverbrechen, begangen von katholischen Priestern, so lange verborgen bleiben konnten: Ist der Papst moralisch oder rechtlich verantwortlich für ein System, das es möglich machte, dass so viele entsetzliche Verbrechen ungeahndet bleiben? Sollen er und sein Sitz der Macht, der Heilige Stuhl, weiterhin die Immunität genießen, die sie über das Gesetz stellt? Robertson gibt auch zu bedenken: Solange sich Papst Benedikt XVI nicht von der Schimäre staatlicher Immunität und von dem veralteten kanonischen Recht lösen kann, bleibt der Vatikan ein mächtiger Feind des Fortschritts der Menschenrechte. Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht. Gabriele-Verlag Das Wort Und: WIR HABEN EINE NEUE WEBSITE FÜR DAS BUCH: www.angeklagt-der-papst.de |
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TV-Sendung Schützt unsere Kinder und Enkelkinder
Abertausende von Kindern und Jugendlichen wurden in den letzten Jahrzehnten von Priestern der römisch-katholischen Kirche misshandelt und sexuell missbraucht – weiter zurückgehend, muss man sicher von Millionen sprechen. Jedes einzelne Kind steht dabei für ein zerstörtes Leben – wie soll denn ein Mensch das je verkraften? Wie können Eltern und Angehörige damit fertig werden? Und: Wie war es überhaupt möglich, derartige Verbrechen in solchem Ausmaß so lange geheimzuhalten? Wer trägt dafür die Verantwortung?
Die Fakten darüber gelangen zwar mehr und mehr ans Licht der Öffentlichkeit, doch die Frage ist: Wie können wir unsere Kinder und Enkelkinder vor Missbrauch durch Kleriker schützen, wenn die Täter nicht offen genannt werden, weil sie durch ein Schweigegebot der Kirchenoberen gedeckt werden?
Einen wirkungsvollen Schutz kann es nur geben, wenn die Kirchenmauer des Schweigens und des Vertuschens niedergerissen wird und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn Eltern und Großeltern über die Gefahren für ihre Kinder und Enkelkinder und über das Ausmaß der kirchlichen Missbrauchsverbrechen informiert sind. Wobei die Dunkelziffer laut Aussagen von Experten sehr hoch ist; viele der missbrauchten Kinder werden zum Schweigen gezwungen, oder sie schweigen aus Scham, aus Angst, aus Selbsthass …
Hierzu erschien vor kurzem ein Buch, das von den Juristen bzw. Opferanwälten Dr. Christian Sailer und Dr. Gert Hetzel verfasst und herausgegeben wurde. Es trägt den Titel: „Der Fall des Papstes“. Es ist die Niederschrift einer in Den Haag beim Internationalen Strafgerichtshof eingereichten Anzeige gegen Dr. Joseph Ratzinger. Die Autoren weisen darauf hin, dass er als oberster Schirmherr der römisch-katholischen Kirche auch die Verantwortung dafür trägt, dass die grausamen Vergehen an Kindern durch Priester nicht unterbunden wurden, sondern durch ein System der Geheimhaltung vertuscht wurden, was weiteren Missbrauch ermöglicht hat.
Dieses Buch ist Grundlage der TV-Sendung „Wir denken an unsere Kinder“ , deren Inhalt in einer Gratis-Broschüre wiedergegeben ist. Hier Gratis-Broschüre bestellen
Die Politiker und der Papstbesuch
Die Politiker und der Papstbesuch
„Ave Papa, die Höllengeweihten grüßen dich!“
Wer kam eigentlich auf die Idee, den Papst ausgerechnet zu einer Rede im deutschen Bundestag einzuladen? Nach eigener Aussage war es der CDU-Katholik und Bundestagspräsident Norbert Lammert, der bereits 2007 aus Anlass des 50. Jahrestags der römischen EU-Verträge diese Einladung ausgesprochen hatte. Jetzt, kurz vor Weihnachten 2010, habe der Papst die Einladung eben angenommen.
Wie ernst der Bundestagspräsident sein Amt nimmt, wenn er den letzten Diktator Europas zu einer Rede in einem demokratisch gewählten Parlament einlädt, steht auf einem anderen Blatt. Von so etwas wie Gewaltenteilung gibt es im Vatikan, diesem Ministaat von Mussolinis Gnaden, nämlich nicht mal einen Hauch, von Gleichberechtigung der Frau ganz zu schweigen, und die Europäische Menschenrechtskonvention hat der Vatikan bis heute nicht unterzeichnet. Könnte er bei den Zuständen auch gar nicht.
Wie haben nun die Politiker darauf reagiert? Bei CDU und CSU natürlich einhellige Zustimmung, ist doch klar! Aber ist es wirklich so klar? Dass die Katholiken Norbert Lammert und Hermann Kues (beide CDU) und Alexander Dobrindt (CSU) ihren Chef, sei er so undemokratisch wie er will, gerne reden hören, mag man noch verstehen. Wobei sie dazu ja auch nach Rom fahren oder Radio Vatikan aufdrehen könnten.
Doch was ist mit dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der vollmundig verlauten ließ: „Wenn der Papst im Bundestag redet, ist dies eine große Ehre für das Parlament.“ Normalerweise ist es doch für ein Staatsoberhaupt eine besondere Ehre, im Parlament eines demokratischen Staates reden zu dürfen. Hier soll es nun plötzlich umgekehrt sein? Was ist mit CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich, der die Papstrede, noch lange bevor sie gehalten wurde, schon als „besonderes Highlight auch der deutschen Parlamentsgeschichte“ preist? Was ist mit CDU-Fraktionsvize Volker Kauder, der sich für einen „großen öffentlichen Gottesdienst“ während des Papstbesuchs in Berlin ausspricht, denn „die Kirche solle auch zu einer missionarischen Präsenz“ in Berlin stehen?
Die drei genannten Herren, die hier, mehr als ihre katholischen Fraktionskollegen, vor dem Papst katzbuckeln, haben eines gemeinsam: Sie sind Lutheraner. Und sie haben eines noch nicht begriffen: Und wenn sie noch so sehr dem Papst zujubeln (und hoffen, dass ein wenig von seiner Publicity auf sie herunterrieseln möge), so bleiben sie in den Augen des obersten Katholikenpriesters doch nur protestantische Ketzer, die in der Hölle schmoren werden, so sie nicht rechtzeitig vor dem Tod noch katholisch werden.
Für die meisten Lutheraner ist die Doppelbödigkeit der katholischen Lehre und Botschaft offenbar so völlig jenseits ihres Horizonts, dass sie den schönen Worten der Päpste bereitwillig auf den Leim gehen und die bösartigen Abgründe, die dahinter lauern, nicht einmal im Traum wahrnehmen. Wobei damit nicht gesagt sein soll, dass die lutherische Lehre keine Abgründe hätte – man denke nur an die Prädestinationslehre und die damit verbundene Leugnung des freien Willens.
Wie ist die Vatikankirche wirklich gestrickt? Sie verfügt über ein von römischen Juristen über Jahrhunderte aufgetürmtes Dogmensystem, hinter das sie selbst nicht mehr zurückkann, selbst wenn sie es wollte: Was einmal zum Dogma erklärt wurde, bleibt ewig gültig – denn die Päpste sind ja angeblich jedes Mal unfehlbar gewesen, wenn sie neue Dogmen verkündet haben.
Die Vatikankirche bindet im Zeitalter der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte ihre intellektuellen Grausamkeiten allerdings niemand so gern direkt auf die Nase. Da muss man schon zu einem Buch greifen, z.B. zum „Neuner-Roos“, „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“, gedruckt in 13., aktueller Auflage mit kirchlichem Imprimatur, versteht sich. Würden unsere CDU-Lutheraner einmal darin blättern, so könnten sie z.B. die Randnummer 381 finden:
„Die heilige römische Kirche … glaubt fest, bekennt und verkündet, dass »niemand außerhalb der katholischen Kirche weder Heide« noch Jude, noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter [Anmerkung: Damit sind auch die Protestanten gemeint] – des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) [selbstverständlich der katholischen Kirche] anschließt.“
Und wer jetzt glaubt (glauben heißt bekanntlich: nicht wissen), dies sei ja seit dem 2. Vatikanischen Konzil anders geworden, der kennt erstens nicht die angeblich ewige Dauer wichtiger Dogmen. Und er könnte zweitens unter Randnummer 373 den Gegenbeweis finden: einen Text aus ebendiesem Konzil aus dem Jahr 1965:
„Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sei aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen.“
„Nicht gerettet“ heißt wiederum: Ab in die Hölle! Und es will doch kein deutscher Protestant, zumal ein Politiker, ernsthaft behaupten, er kenne die katholische Kirche nicht!
Also, Herr Kauder, es nützt Ihnen gar nichts, wenn sie besonders fromm sind oder gar „der „katholischste Evangele, den ich kenne“, wie Ihr CDU-Kollege Georg Brunnhuber einmal sagte. Und auch Sie, Herr Gröhe und Herr Friedrich: Das Dogma kennt in diesem Punkt auch für Sie keine Gnade. Lesen Sie nach, wie das gerade zitierte Dogma 381weitergeht:
„Mag einer noch so viele Almosen geben, ja selbst sein Blut für den Namen Christi vergießen, so kann er doch nicht gerettet werden, wen er nicht im Schoß und in der Einheit der katholischen Kirche bleibt.“
Wobei jetzt noch hinzufügen wäre, dass auch die Katholiken im wahrsten Sinn des Wortes höllisch aufpassen müssen: So sie nämlich auch nur eines der katholischen Dogmen nicht glauben – im Angebot wären z.B. Jungfrauengeburt, die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, Zwang zur Säuglingstaufe oder die Heilwirkung von Reliquien usw. – so ist auch der vermeintlich brave Katholik automatisch exkommuniziert!
Ob dies auch auf den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse zutrifft, mag er selbst beurteilen. Wenig verwunderlich ist jedenfalls, dass Thierse, der im Zentralkomitee der deutschen Katholiken sitzt, den geplanten Auftritt seines obersten Chefs bedingungslos unterstützt. Kritik aus den Reihen der Grünen an der geplanten Papstrede im Bundestag, so Thierse, sei „schlicht und ergreifend kleinkariert“. So ist das also: Wer auf die demokratische Integrität des deutschen Parlaments Wert legt, wird von dessen Vizepräsidenten, der gleichzeitig ein hochrangiger katholischer Kirchenfunktionär ist, als „kleinkariert“ beschimpft.
Ähnlich wie bei der CDU/CSU sind auch bei der SPD gerade die auf ewig verdammten Protestanten eifrige Verteidiger der Möglichkeit des Papstes, im deutschen Parlament zu reden. Thomas Oppermann z.B., Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, findet, es sei „gut, wenn er im Bundestag spricht“. Die lutherische Kirchenfunktionärin Kerstin Griese MdB , EKD-Synodalin und im Bundesvorstand des Diakonischen Werks, erwartet zwar „deutliche Worte zur Ökumene und zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche.“ Doch zur Ökumene hat der Papst längst deutlich gesagt, dass er die Lutherkirche nicht für eine der Vatikankirche vergleichbare Organisation hält. Geht es noch deutlicher? Und zu seiner eigenen Verstrickung in die Kinderschänderverbrechen wird der Papst auch im Bundestag mit Sicherheit nichts sagen. Dabei ist offenkundig, dass er als Kurienkardinal spätestens 2001 über alle Verbrechen genauestens bescheid wusste, weil er nämlich die Unterrichtung seiner Behörde, der „Glaubenskongregation“, ausdrücklich zur Pflicht machte.
Immerhin äußert der SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz „Vorbehalte“ und will erst innerhalb der Fraktion darüber diskutieren. Schwanitz hat den Arbeitskreis „Laizistinnen und Laizisten in der SPD“ (www.laizistische-sozis.de) mit gegründet, der für eine Trennung von Staat und Kirche eintritt und von Kirchenfunktionär Thierse prompt ausgebremst wurde: Kein Auftritt auf der offiziellen SPD-Webseite!
Bei der FDP ist es wiederum der Protestant Stefan Ruppert, der den geplanten Auftritt des Papstes am meisten bejubelt. Er erwarte sich davon „wichtige Impulse“ für den Dialog mit den Religionsgemeinschaften. Doch wie soll dieser „Dialog“ aussehen? „Ihr müsst alle katholisch werden, sonnst landet ihr in der Hölle“ – das müsste der Papst allen Nicht-Katholiken sagen, wenn er ehrlich wäre. In seinen Lehraussagen steht es so drin. Wie gut, dass es doch in allen Parteien nützliche Naivlinge gibt, wird er sich denken, die gar nicht merken, dass sie selbst schon verdammt sind und mich trotzdem feiern.
Etwas turbulenter geht es bei den Grünen zu. Dass der katholische Kirchenfunktionär Josef Winkler (Zentralkomitee der Katholiken) den Papst unbedingt im Parlament reden hören will, ist klar. Dass es die lutherische Kirchenfunktionärin Karin Göring-Eckardt (EKD-Synode, Theologin und mit einem lutherischen Pfarrer verheiratet) auch will, passt in Bild, obwohl sie als hochrangige Lutheranerin eigentlich wissen müsste, was ihr nach katholischer Lehre blühen wird. Aber man genießt ja in ökumenischer Eintracht die Milliardensubventionen des Staates und die zahlreichen Privilegien, die der deutsche Staat den Kirchen zukommen lässt. Eher uniformiert ist wohl die Alevitin Ekin Deligöz, die zwar irritiert ist, „dass ein Kirchenoberhaupt sich auf eine so weltliche Bühne wie ein Parlament“ begibt – aber der Papst sei schließlich „unser Gast“. Frau Deligöz: Der Vatikan macht seit fast zwei Jahrtausenden auf der Weltbühne knallharte Politik! Und auch die Aleviten sind in vatikanischen Augen „Heiden“ und somit künftige Nahrung für das Höllenfeuer.
Wenig von „Gastfreundschaft“ am falschen Platz hält allerdings das grüne Urgestein Christian Ströbele, der ankündigte, das Plenum zu verlassen, sobald der Papst dort das Wort ergreife. Er nehme es dem Papst besonders übel, dass dieser sich in Lateinamerika nicht zur historischen Schuld seiner Kirche bekannt habe und als Präfekt der Glaubenskongregation immer wieder gegen Befreiungstheologen vorgegangen sei. Auch Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck bestand darauf, dass der Bundestag „weltanschaulich neutral“ bleiben müsse. Lasse man den Papst reden, so stelle sich die Frage, „welche Repräsentanten von anderen Religionsgemeinschaften man einlädt.“
Eine gute Idee! Wie wäre es z.B. mit Vertretern der religiösen Minderheiten, die beide großen Kirchenkonzerne seit Jahrzehnten als „Sekten“ verleumden und diskriminieren?
Außerdem, so Beck, sei der Papst intolerant gegenüber Schwulen und Lesben. Wobei „intolerant“, Herr Beck, noch ein harmloser Begriff ist. Nach katholischer Lehre ist die gesamt Bibel von Gott inspiriert – und darin wird unter anderem verlangt, Schule und Lesben zu steinigen …
Doch die Widerspenstigkeit einiger grüner Abgeordneter fand ein rasches Ende – weil Renate Künast Berliner Bürgermeisterin werden will. Und dazu braucht sie Stimmen aus dem konservativen Westberliner Lager. Also pfiff die Fraktionschefin ihre gegenüber dem Papst zu Recht misstrauischen Kollegen zurück: „Der Papst ist eingeladen, das ist in Ordnung so. Da gehen wir hin, und zwar respektvoll“. Immerhin plädiert auch Künast dafür, auch anderen Glaubensführern Rederecht einzuräumen. Siehe oben …
Ähnlich schwer wie die Grünen tun sich auch die Linken mit dem Papstbesuch. Am Ende ist die Mehrheit aber für die Durchführung der Rede. Gregor Gysi versteigt sich in einem Interview mit der Welt sogar zu der Aussage: „Im Augenblick sind nur die Kirchen in der Lage, einigermaßen allgemeinverbindlich Moralnormen zu formulieren.“ Als ob gerade die Vatikankirche nicht in ihrer ganzen Geschichte bewiesen hätte, dass ihre „Moral“ sich in ihrer eigenen Macht und „ihrem“ Geld erschöpft, das sie zuvor anderen weggenommen hat. Der konfessionslose Grüne Raju Sharma erwartet: „Der Papst hat sicher interessante Dinge zu erzählen.“ Immerhin protestiert der Abgeordnete Andrej Hunko („Nicht in meinem Namen“) auf seiner Webseite (www.andrej-hunko.de) gegen die Papstrede und fordert eine „Anti-Papst-Bewegung“.
Nur einer ist vollständig abgetaucht: Unser Bundespräsident Christian Wulff. Der ist zwar katholisch. Aber er weiß offenbar ganz genau: Als Geschiedener, der wieder geheiratet hat, ist er von den katholischen Sakramenten ausgeschlossen. Und nicht nur das: Ehebrechern droht nach der Bibel auch noch die Steinigung …
Ja, was wird das für ein Schauspiel, wenn der Papst tatsächlich im Bundestag sprechen sollte? Der Oberpriester einer Religion, die mindestens 5,7 Milliarden Menschen auf der Erde für „ewig verdammt“ hält – und die Mehrheit der Parlamentarier dazu? In der römischen Arena riefen die Gladiatoren: Ave Cäsar, morituri te salutant – die Todgeweihten grüßen dich! Was werden die Abgeordneten des Bundestags rufen: „Ave Papa – die Höllengeweihten, die auf ewig Verdammten grüßen dich!“?
CSU-Generalsekretär Dobrindt warnt…. …vor Werten des Grundgesetzes
CSU-Generalsekretär Dobrindt warnt…
… vor Werten des Grundgesetzes
Wie lange sollen wir noch unter der kirchlichen Leid-Kultur leiden?
In Deutschland ist es offenbar möglich, dass ein kirchlich geprägter Parteisekretär vor der Einhaltung des Grundgesetzes warnen darf, ohne dass ein Aufschrei quer durch alle demokratischen Parteien erfolgt.
„Dobrindt warnt vor rechtlicher Gleichstellung der Glaubensgemeinschaften“.
Diese Meldung verbreitet Yahoo Deutschland am 4.1.2011. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt habevor einer rechtlichen Gleichstellung aller Glaubensgemeinschaften in Deutschland gewarnt. „Deutschland ist ein christlich geprägtes Land, und wir tun gut daran, die besondere Stellung der christlichen Kirchen zu erhalten.“
Nun sieht aber unsere Verfassung neben der individuellen Freiheit und Gleichheit aller Bürger auch die Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche vor. Wie kommt ein Generalsekretär einer demokratischen Partei zu einer solchen Forderung, die den Werten der Verfassung widerspricht?
Dobrindt reagierte auf ein Interview von FDP-Generalsekretär Christian Lindner in der „Zeit“-Beilage „Christ Welt“. Lindner hatte in diesem Interview gesagt, dass „eine nüchterne Debatte über das Staatskirchenrecht kein antiklerikaler Akt“ sei. Nach mehr als 200 Jahren dürften Regelungen und Zahlungen hinterfragt werden. „Es muss zudem besprochen werden, welche Privilegien auch andere Religionsgemeinschaften irgendwann beanspruchen dürfen.“ Erst der weltanschaulich neutrale Staat könne das Miteinander in einer multireligiösen Gesellschaft befrieden, „indem er mit allen Religionsgemeinschaften kooperiert, die seine Regeln akzeptieren“, sagte Lindner. Dabei müssten die verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Deutschland rechtlich gleichgestellt werden. Er erwähnte dabei auch die Möglichkeit, dass der Staat eines Tages nicht nur für die Großkirchen, sondern auch für die Muslime Kirchensteuer einziehen könnte.
Dies wiederum hält der CSU-Generalsekretär Dobrindt für „eine abwegige Vorstellung“: „Was die großen christlichen Kirchen vor anderen Religionsgemeinschaften auszeichnet, ist ihr starkes positives Engagement für unser Gemeinwesen und unsere Gesellschaft, vom sozialen Bereich bis zur Wertorientierung“, so Dobrindt. „Das sollten wir nicht durch eine falsch verstandene Gleichmacherei in Frage stellen.“
Diese Reaktion wirft ein bezeichnendes Licht auf die Situation der Religionsfreiheit in Deutschland. Christian Lindner hat nichts anderes ausgesprochen, als was das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland schon immer fordert: Einen weltanschaulich neutralen Staat, in dem alle Glaubensgemeinschaften rechtlich gleichgestellt werden, wie dies in anderen westlichen parlamentarischen Demokratien eine Selbstverständlichkeit ist.
In Deutschland ist es aber, wie gesagt, offenbar möglich, dass ein kirchlich geprägter Parteisekretär vor der Einhaltung des Grundgesetzes warnen darf, ohne dass ein Aufschrei quer durch alle demokratischen Parteien erfolgt. Das lässt für das Grund – und Menschenrecht der Religionsfreiheit in Deutschland das Schlimmste befürchten. In der Tat hat man sich in Deutschland offenbar schon so daran gewöhnt, dass die beiden Amtskirchen mithilfe der Funktionäre, die sie in allen Schlüsselpositionen des Staates untergebracht haben, die verfassungsmäßigen Grundwerte in Bezug auf Gleichheit und Religionsfreiheit weitgehend außer Kraft gesetzt haben. Dabei ist der Umstand, dass der Staat zum Handlanger der Amtskirchen verkommt, wenn es für diese zwangsweise die Mitgliedsbeiträge der durch Zwangstaufe rekrutierten Mitglieder eintreibt, noch das kleinste Übel. Und es ist kaum anzunehmen, dass eine andere, nicht auf materiellen Interessen gegründete Glaubensgemeinschaft, daran interessiert ist, diesem Beispiel zu folgen.
Das eigentlich Bedenkliche an der Ungleichbehandlung religiöser Bekenntnisse ist, dass die römisch-katholische und die lutherische Amtskirche sich in vielen Bereichen außerhalb des demokratischen Rechtsstaates bewegen. Genannt sei hier nur beispielhaft die Außerkraftsetzung von Grundrechten kirchlicher Arbeitnehmer. Beide Kirchen nehmen für sich über 37 Privilegien in Anspruch, die sie in vielen rechtlichen und gesellschaftlichen Bereichen außerhalb der für jeden Staatsbürger sonst verbindlichen Rechtsordnung stellen. Deutlichstes Zeichen dieser rechtlichen Ungleichbehandlung, die gleichzeitig zu einer schweren Benachteiligung aller übrigen Bürger führt, sind die finanziellen Nachteile, die der demokratische Staat und damit jeder Staatsbürger dadurch erleidet, dass die beiden Amtskirchen jedes Jahr finanzielle Vorteile des Staates in Höhe von 15 Milliarden Euro in Anspruch nehmen.
Wenn Dobrindt von einem „positiven Engagement“ der Kirchen „für unser Gemeinwesen und unsere Gesellschaft, vom „sozialen Bereich bis zur Wertorientierung“ spricht, so versucht er, uns einen uralten kirchlichen Bären aufzubinden. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Die Kirchen saugen den Staat trotz dessen leerer Kassen ständig weiter aus. Und was sie als „Beitrag zum Gemeinwohl“ auf ihre Fahnen schreiben, das lassen sie sich auf Heller und Pfennig vom Staat und den jeweiligen Nutzern wieder ersetzen: Ihre Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime finanzieren die großen Kirchenkonzerne nur zu einem Bruchteil selbst!
Es ist heute völlig unbestritten, dass die Amtskirchen von den Milliarden, die sie dem Gemeinwesen entziehen, höchstens 10 % in Form von Leistungen wieder zurückgeben – ein dankbar schlechtes Geschäft für das Gemeinwesen und unsere Gesellschaft, das den Amtskirchen bisher ein geschätztes Vermögen von rund 500 Milliarden Euro eingebracht hat. Und was die Werteorientierung der großen Amtskirchen betrifft, muss man sich nicht erst mit den Verbrechen der Vergangenheit dieser Organisationen beschäftigen, um zu erkennen, dass serienweise Vergewaltigungen von Kindern (nicht nur durch Beschäftigte der römisch-katholischen Kirche: der Leiter der Odenwaldschule war lutherischer Kirchenfunktionär), deren Vertuschung und die Verweigerung der Wiedergutmachung für die Opfer eine „Werteorientierung“ darstellen, die unserem Grundgesetz diametral entgegenlaufen.
Das von amtskirchlichen Politikern gerne verwendete Wort von der „christlichen Leitkultur“ – gemeint ist die kirchliche Leitkultur – ist für den demokratischen Rechtsstaat längst zu einer Leid-Kultur geworden. Dieses Gerede ist ebenso irreführend wie die längst entlarvte kostspielige „Soziallüge“ von den angeblich sozialen Wohltaten der Kirchenkonzerne. Folgerichtig hat FDP-Generalsekretär Christian Lindner dafür geworben, dass für eine Leitkultur das Grundgesetz selbst als Wertordnung dienen solle. Dies ist eine Forderung, die jeder verfassungstreue Politiker einschränkungslos unterstützen müsste. Demgegenüber ist der Ruf nach einer „christlichen“ Prägung oder nach einer „christlichen“ Leitkultur aus dem Mund von Kirchenpolitikern als schwerwiegende Bedrohung der Verfassung anzusehen. Denn diese meinen mit „christlich“ nicht die Friedenslehre des Jesus von Nazareth, sondern die Kirchenlehre und Tradition der römisch-katholischen Kirche und ihrer lutherischen Abspaltung, die beide eine grausame Blutspur der Intoleranz und Gewalt in der abendländischen Geschichte hinterlassen haben, bis hinein in die Gegenwart mit ihrer beispiellosen Verkommenheit der Schwerverbrechen an wehrlosen Kindern.
Staatsbesuch des Papstes
Brief an Bundespräsident Christian Wulff
papstbesuch-brief-an-bundespraesident-wulff-17.pdf [79 KB]
Rechtsanwalt
Dr. Christian Sailer, Max-Braun-Str. 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld
Max-Braun-Straße 2
97828 Marktheidenfeld-Altfeld
Telefon: 09391/504-200
Telefax: 09391/504-202
e-mail: info@kanzlei-sailer.de
http://www.kanzlei-sailer.de
Herrn Bundespräsidenten
Christian Wulff
Bundespräsidialamt
Spreeweg 1
11010 Berlin
17.12.2010
Staatsbesuch des Papstes
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
erlauben Sie mir, dass ich mich als Staatsbürger, Jurist und freier Christ mit einigen
Fragen und einer Bitte an Sie wende.
Als Staatsoberhaupt stehen Sie über allen politischen Parteien, Konfessionen,
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessengruppen. Vom Träger des
höchsten Staatsamtes erwartet das Staatsvolk in besonderem Maße Neutralität
und ausgleichendes Wirken im Widerstreit der vielfältigen öffentlichen und
privaten Belange, nicht zuletzt in Bezug auf die unterschiedlichen religiösen
Gruppierungen unseres Landes. Ihre Rede zum Tag der deutschen Einheit, in
der Sie den Islam als Teil Deutschlands bezeichnet haben, wurde deshalb von
vielen freiheitlich denkenden Bürgern als politisch hilfreicher Fingerzeig empfunden,
der eine aus dem Ruder laufende Diskussion zur rechten Zeit entschärfte.
Angesichts dieser Rede, die Modernität und Liberalität ausstrahlte, verwundert
es umso mehr, dass Sie im Verhältnis zur katholischen Kirche Wege beschreiten,
die vielleicht Mitte des vorigen Jahrhunderts, zu Zeiten der „Volkskirche“,
noch gangbar erschienen, heute aber viele Bürger vor den Kopf stoßen. Ich
meine die Einladung des Papstes zu einem Staatsbesuch, verbunden mit der
Möglichkeit, im Deutschen Bundestag eine Grundsatzrede zu halten.
Vor allem Letzteres ist schwer nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass 70 %
der Bewohner unseres Landes mit der katholischen Kirche nichts zu tun haben.
Im Übrigen wird die Ehre, vor der deutschen Volksvertretung sprechen zu
dürfen, auch Staatsoberhäuptern nur höchst selten zuteil.
Hinzu kommt – und das gilt nicht nur für den Auftritt vor dem Bundestag, sondern
für den gesamten Staatsbesuch -, dass die Stellung des Papstes als
Staatsoberhaupt äußerst fragwürdig ist. Ursprünglich ging der Staat des Papstes
aus der so genannten konstantinischen Schenkung hervor, die sich im 15.
Jahrhundert als Fälschung entpuppte, was die Kirche später auch selbst zugab.
Im 19. Jahrhundert wurde diesem Staatsgebilde zunächst durch Napoleon
ein vorläufiges und später durch den italienischen König Emanuel I. ein definitives
Ende bereitet. Wenn es heute wieder einen Vatikanstaat gibt, so ist
dies auf eine der übelsten Gestalten des vorigen Jahrhunderts zurückzuführen,
nämlich den faschistischen Diktator Benito Mussolini, der in den Lateranverträgen
mit Pius XI. dem Vatikan erneut Staatscharakter zusprach, obwohl
sich das Staatsgebiet auf die Gärten um den Petersdom und das Staatsvolk
auf einige Hundert Prälaten beschränkt. Die Verfassung dieses Staates spiegelt
bis heute ihren faschistischen Ursprung wieder. Art.1 des von Papst Johannes
Paul im Jahr 2000 neu erlassenen „Grundgesetzes“ lautet: „Der Papst
besitzt als Oberhaupt des Vatikanstaates die Fülle der gesetzgebenden, ausführenden
und richterlichen Gewalt.“ Und in der Präambel dieses Grundgesetzes
heißt es, dass der Staat des Vatikans den Zweck hat, dem Papst im Äußeren
Unabhängigkeit für seine Weltmission zu verschaffen. Der Vatikanstaat ist
also erklärtermaßen nichts anderes als ein Vehikel des Kirchenoberhaupts;
und wer den Papst als Staatsoberhaupt einlädt, lädt damit den Kirchenführer ein,
sodass dessen Glaubenslehre kein Kircheninternum mehr bleibt, sondern zum Politikum wird. Das gilt umso mehr, als die Beweggründe für die Staatseinladung der
Vorstellung entspringen, dass Christentum und Kirche identisch seien, eine Auffassung, die viele Bürger keineswegs teilen. Wenn der Papst als Staatsoberhaupt,
das sich zugleich als „Stellvertreter Christi“ bezeichnet, in Deutschland einfliegt,
wird die Frage, inwiefern er Christus vertritt, zur politischen Frage.
Was Jesus Christus lehrte, ergibt sich aus dem Evangelium, auf das sich auch
die Kirche beruft. Dass Kreuzzüge, Hexenverbrennungen und die blutige
Missionierung der Ureinwohner Südamerikas nichts mit der Lehre Jesu zu tun
hatten, wird auch Benedikt XVI. nicht leugnen. Er wird vielleicht sagen, das liege
lange zurück. Nicht so lange zurück liegt die Kriegstreiberei des Vatikans im
Jahr 1914, als der vatikanische Gesandte in Wien die damalige österreichische Regierung zu „scharfem Vorgehen“ gegen Serbien aufforderte und damit den 1. Weltkrieg mit heraufbeschwor. Nicht lange zurück liegt auch die kirchliche Unterstützung Mussolinis beim Überfall auf Abessinien im Jahr 1935 oder die Unterstützung der Franco-Diktatur durch Pius XII., der dem Kriegsverbrecher in Madrid mit den Worten gratulierte: „Indem wir unser Herz zu Gott erheben, freuen wir uns mit ew. Exzellenz über den von der katholischen Kirche so ersehnten Sieg“ – ein Sieg, der rund Hunderttausend Republikanern hauptsächlich in Gefängnissen und bei Erschießungen das Leben kostete. Erinnert sei auch an die moralische
Unterstützung des Russland-Feldzugs Hitlers durch katholische Würdenträger
bis hin zu Pius XII. Kardinal Graf von Galen feuerte im Jahr 1942 in einem Hirtenbrief die deutschen Soldaten zu einem Kreuzzug gegen den Bolschewismus
an. Nicht zu vergessen ist auch der Völkermord an Hunderttausenden orthodoxer
Serben, der von 1941 bis 1943 unter maßgeblicher Beteiligung katholischer
Kleriker in Kroatien stattfand, angeführt von dem katholischen Ustascha-
Führer Pavelic, der mehrmals von Pius XII. empfangen und jeweils mit
den besten Wünschen „für die weitere Arbeit“ entlassen wurde. Und der unmittelbare
Vorgänger des jetzigen Papstes hielt es in den 90-iger Jahren für nötig,
sowohl beim ersten Golf-Krieg als auch im Bosnienkrieg vom „gerechten
Krieg“ zu sprechen und zu betonen: „Wir sind keine Pazifisten.“ Auch der jetzige
Papst distanzierte sich schon einmal vom so genannten Fundamentalpazifismus.
Man mag dies unter dem Gesichtspunkt des Völkerrechts für richtig halten,
nur mit Jesus von Nazareth hat es eben nichts zu tun, der Gewalt unter keinen Umständen für gerechtfertigt hielt. Dann kann man aber dem Papst auch keine
Vorzugsbehandlung als Stellvertreter Christi einräumen, denn die Papstkirche
steht in eklatantem Gegensatz zur Lehre Jesu, was sich eindeutig auch aus
der Kirchenbibel ergibt.
Ein Blick in die als Gründungsurkunde des Christentums geltenden Evangelien
zeigt, dass auch das riesige Dogmengebäude der Kirche mit Jesus von Nazareth
nichts zu tun hat. Es ist nicht einmal durch Theologenweisheit entstanden,
sondern im 4., 5. und 6. Jahrhundert durch das Diktat römischer Kaiser. Sie waren
es, die in der römischen Staatskirche Religionsstreitigkeiten durch Machtsprüche erledigten und z.B. dekretierten, dass Christus „wesenseins mit Gott“ sei (Kaiser Konstantin, Nizzäa, 325), dass es eine Dreieinigkeit von Gott Vater, Gott Sohn und
Heiligem Geist gebe und eine allein-seligmachende Kirche (Kaiser Theodosius
I., Konstantinopel, 381) und vor allem, dass jeder verflucht sei, der daran glaube,
dass am Ende aller Zeiten alle Seelen und Menschen zu Gott zurückkehren
(Kaiser Justinian, Konstantinopel, 553).
Mit solchen und ähnlichen Bannflüchen traktiert die katholische Kirche ihre
Mitglieder bis zum heutigen Tag. Einer davon lautet: „Wer nicht die ganze
kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene,
der sei verflucht.“ (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der
Lehrverkündigung, Nr.85). „Verflucht“ heißt im Kontext kirchlicher Glaubenssätze:
verdammt in alle Ewigkeit. Verflucht wird auch jeder, der „nicht alle Bücher
der Heiligen Schrift“, wie sie von der Kirche kanonisiert wurden, also das
Neue und Alte Testament, „anerkennt“, oder „wer leugnet“, dass diese Schriften
unmittelbar „von Gott eingegeben sind“ (Neuner-Roos, a.a.O., Nr.98). Dabei sind
diese Schriften zum Teil geradezu gemeingefährlich. Im Alten Testament steht z.B.:
„Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes
sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin.“ (3.Mose, 20,10) Auch Homosexuellen
droht nach der alttestamentlichen Scharia die Steinigung. Verdammt wird nach der
kirchlichen Lehre auch jeder, der aus der Kirche austritt, ohne Rücksicht darauf,
dass er als Säugling zwangsweise hineingetauft wurde. Ewig verdammt
ist auch jeder, der sich nicht der Unfehlbarkeit des Papstes und den von ihm
verkündeten Glaubenssätzen unterwirft. Man kann sagen, es handelt sich um
eine ausgesprochen gefährliche Ideologie, die bei vielen Kirchenmitgliedern
auch ihre psychische Wirkung zeigt, nicht nur in Form von Unfreiheit, sondern
auch in Form ekklesiogener Neurosen – ein inzwischen medizinisch anerkanntes
Krankheitsbild.
Eine Organisation, die ihre Mitglieder zwangsweise erwirbt und zwangsweise mit
der Androhung ewiger Höllenstrafen bei der Stange hält, verstößt gegen die Menschenwürde.
Wenn der Papst als Staatsoberhaupt auftritt, ist seine staatliche und
religiöse Diktatur nicht mehr bloß eine „Sache der Katholiken“, sondern eine Frage
der politischen Akzeptanz, wie es bei anderen Staatsgästen mit diktatorischem Hintergrund auch der Fall wäre. Aus dem religiösen Ärgernis seiner totalitären Dogmen wird eine politische Provokation. Dass die Inhalte seines Glaubens für Außenstehende tabu sein sollten, kann er für sich nicht mehr in Anspruch nehmen, denn der Papst macht mit seiner Religion und seiner Behauptung, er sei der „Stellvertreter Christi“, Politik. Dann wird man ihm seine eigene Bibel entgegenhalten und ihm sagen dürfen bzw. müssen, dass Christus keinen Stellvertreter vorgesehen hat und dass die Kirche mit ihrer blutigen Geschichte und ihrem bis heute andauernden Zwangsystem der freiheitlichen Lehre Christi seit 1500 Jahren ins Gesicht schlägt.
Bedenkt man dies, erweist sich der angebliche „Stellvertreter Christi“ eher als der
Stellvertreter einer Gegenorganisation. Würden Sie den Papst auch unter dieser
Prämisse einladen, nur weil er ein Staatsoberhaupt ist? Vermutlich nicht. Also
erfolgt die Einladung aus bestimmten Glaubensgründen, was für einen Staatsbesuch
keine legitime Motivation ist.
Die meisten Menschen nehmen die Gleichsetzung von Kirche und Christentum
einfach hin, weil sie weder über die blutige Geschichte der Kirche noch
über ihre totalitäre Lehre informiert sind, die bis heute gilt. Sie, sehr geehrter
Herr Bundespräsident, und auch der Herr Bundestagspräsident dürften entsprechende
Kenntnisse haben. Deshalb darf ich Sie fragen, wie Sie es verantworten
wollen, dem Papst die Möglichkeit zu geben, im Deutschen Bundestag für
sein Kirchenregime Reklame zu machen; für ein Regime, das in Deutschland und
weltweit Tausende von Kinderschändern in seinen Reihen hat und deren Verbrechen
systematisch vertuscht hat, auch unter maßgeblicher Beteiligung des jetzigen
Papstes; für ein Regime, das durch so genannte Sektenbeauftragte religiöse Minderheiten in Deutschland ausgrenzt und diskriminiert, was die amerikanische Außenministerin in ihrem jüngst vorgelegten Jahresbericht über Religionsfreiheit ausdrücklich rügte; und für ein Regime, das 3000 professionelle „Teufelsaustreiber“
(Exorzisten) unterhält und damit das Mittelalter ins 21. Jahrhundert transportiert?
Der überwiegende Teil der Bevölkerung wird für diesen Staatsbesuch kein
Verständnis haben, auch wegen des irrwitzigen Sicherheitsaufwandes und
den enormen Kosten von zig Millionen Euro. Da der Papst nur scheinbar als
Staatsoberhaupt, in Wirklichkeit aber als Kirchenoberhaupt kommt, verletzt
sein Auftritt im Deutschen Bundestag die weltanschaulich-religiöse Neutralitätspflicht des Staates, es sei denn, man will in Zukunft auch die Vertreter anderer Religionen und Weltanschauungen im Bundestag reden lassen. Die Bürger
dieses Landes und ihre Volksvertretung haben es nicht nötig, sich über Ethik
und Moral von einem Kirchenführer belehren zu lassen, der einer Organisation
vorsteht, die die größte Blutspur in der Weltgeschichte hinterließ, die sich im
19. Jahrhundert vehement gegen die Anerkennung von Menschenrechten
wehrte, die über 1500 Jahre Antisemitismus schürte und noch bis zum 2. vatikanischen Konzil das Grundrecht auf Religionsfreiheit ablehnte und ihren Mitgliedern bis heute verweigert – durch Androhung schlimmster Strafen im Falle
des Austritts. Solange der Papst sein totalitäres Kirchenregime, angefangen
von der Verfassung des Vatikanstaats bis hin zu den Drohungen des kirchlichen
Katechismus, nicht ändert, mag man ihn, wenn man will, als gestrengen
Religionsführer tolerieren, als Staatsoberhaupt sollte man ihn in einem freiheitlichen
Gemeinwesen, das sich von mittelalterlicher Glaubensknechtschaft gelöst
hat, nicht empfangen.
Wenn er nicht von sich aus bereit ist, seinen Staatsbesuch in eine Pastoralreise
umzuwandeln, möchte ich Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, bitten,
jedenfalls dafür Sorge zu tragen, dass der Papst nicht im Deutschen Bundestag
auftritt. Ich bin überzeugt, dass diese Bitte im Sinne vieler Bürger ist und
vor allem im Sinne unserer Verfassung: In Deutschland gibt es, wie das
Grundgesetz ausdrücklich feststellt, keine Staatskirche und deshalb hat der
Vertreter eines Kirchenstaats im Parlament unseres Landes nichts zu suchen.
Da es sich um eine öffentliche Angelegenheit ersten Ranges handelt, bitte ich
Sie um Verständnis, wenn ich diesen Brief als offenen Brief schreibe. Ihrer geschätzten Antwort sehen ich und viele ähnlich denkende Mitbürger mit großem
Interesse entgegen. Einen Abdruck dieses Briefes erlaube ich mir, dem Herrn
Bundestagspräsidenten und den Fraktionsvorsitzenden des Deutschen Bundestages
zu übersenden.
Mit freundlichen Grüßen
und staatsbürgerlicher Hochschätzung
gez.: Christian Sailer




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